Jana Windoffer bloggt sehr erfolgreich auf bekleidet.net

Jana Windoffer ist 23, modeverrückt, ein Fototalent und besitzt großes Potential als Layouterin. Neben dem bloggen studierte sie Landschaftsarchitektur in Osnabrück und wohnt jetzt in Münster, außerdem reist sie gerne, trifft sich mit anderen Bloggern und bloggt auf bekleidet.net über Dinge, die sie interessieren und über die sie selbst gerne lesen würde. Ihr Blog gehört zu den 30 einflussreichsten Blogs Deutschlands, über fünftausend regelmäßige Leser verfolgen Jana Windoffers Bloggeralltag. Auf bekleidet.net bloggt sie über Mode und führt ein Stylediary mit regelmäßigen Outfitposts.

Wie ist deine Entwicklung zur Bloggerin verlaufen?
Bevor ich mit dem Bloggen angefangen habe, war ich schon in einigen Modeforen aktiv und hatte dort schon eine feste Leserschaft. Durch die Foren habe ich verschiedene Blogs kennen gelernt und im Juli 2009 in den Semesterferien zum Spaß einen Blog gegründet, dass der Blog so schnell, so erfolgreich wurde hat mich jedoch überrascht. Die richtige Erwähnung von den richtigen Leuten zur richtigen Zeit und das intelligente Nutzen von Social Media wie Facebook und Twitter haben dazu beigetragen den Blog bekannt zu machen.

Wie sieht dein Bloggeralltag aus?
Im Moment blogge ich vermehrt alle ein bis zwei Tage, da meine Bachelor-Thesis fertig ist und ich nun ein paar Monate Zeit habe. Zur Zeit reise ich auch viel und besuche mehr Events als in der Vergangenheit. Aber die meiste Zeit geht für das Beantworten von E-Mails drauf.

Seit wann kooperierst du mit Modefirmen oder PR-Agenturen?
Ungefähr eine Jahr nachdem ich den Blog gestartet hatte kamen erste Anfragen, die sich auf kleinere Kooperationen beschränkten. Da ich wenig Erfahrung in der Branche hatte, musste ich mich erst reinarbeiten, wie viel man für einen Post überhaupt verlangen kann. Mittlerweile bekomme ich täglich mehrere Anfragen, von denen ich einen kleinen Teil auswähle, der gut zu mir und meinem Blog passt. Aber nur bei 30% kommt dann auch tatsächlich eine Zusammenarbeit zu Stande.

Liest du auch selber Blogs?
Ich schaue öfters bei Blogs von Bekannten oder Freunden rein. Außerdem mag ich Blogs von Leuten die gut schreiben können und eine persönliche Note mit einbringen. Natürlich mag ich auch Modeblogs mit guten Fotos.

Bist du bei der Themenwahl bestechlich?
Wenn mir Firmen etwas schenken, dann ist das deren freie Entscheidung. In den seltensten Fällen berichte ich dann darüber. Manchmal bekomme ich auch Gutscheine von Onlineshops zugeschickt. Wenn mir die Sachen gefallen bestelle ich etwas. Darüber berichte ich dann schon, da ich mir die Sachen selber ausgesucht habe. Ich würde aber für kein Geld der Welt über etwas schreiben was ich grauenhaft finde. Ich würde mich im Vergleich zu anderen Blogs schon als eine wählerische Bloggerin bezeichnen. Neulich habe ich etwas Negatives über ein bekanntes Modelabel geschrieben und bekam sofort einen Anruf ich solle das lassen, sonst würde ich nie wieder eine Kooperation mit einer Modefirma bekommen. Aber ich habe lieber nie wieder eine Kooperation, als mir meine Meinung verbieten zu lassen.

Nach welchen Kriterien suchst du die Produkte oder Themen für deinen Blog aus?
Grundsätzlich kann das alles sein, was mir gefällt. Natürlich sollte es schon ein wenig mit Mode zu tun haben und zu mir und meinen Lesern passen.

Wie reagierst du auf „Bloggermädchen“-Vorurteile?
In letzter Zeit gab es weniger negative Reaktionen als noch vor einigen Monaten. Allerdings regen sich andere Blogger, die sehr lange und auch kritische Texte schreiben hin und wieder darüber auf, dass ich mit meinem Hauptanteil an Fotos mehr Resonanz bekomme als sie. Aber solange es die Leser interessiert werde ich mich deswegen nicht schlecht fühlen und habe eine Daseinsberechtigung.

 Hast du Vorurteile anderen Bloggern gegenüber?
Ich habe durchs bloggen sehr viele liebe Menschen kennen gelernt und ins Herz geschlossen. Negative Erfahrungen habe ich kaum gemacht.

Wann würdest du aufhören zu bloggen?
Wenn es mir keine Freude mehr bereiten würde und eher Last als Vergnügen ist. Jedoch sehe ich zur Zeit dafür keinen Grund.

Was stört dich grundlegend an der Mode – und Bloggerwelt?
Die Modebranche ist sehr oberflächlich, du wirst nur daran gemessen welche Leistung du bringst, wenn du nicht lohnst wirst du schnell ausgetauscht. Außerdem sind Praktika in der Branche oft unbezahlt, was in meinen Augen ein Unding ist.

Könntest du dir vorstellen als Journalistin zu arbeiten?
Wahrscheinlich eher nicht, zumindest nicht als Journalistin im klassischen Sinne.

Kannst du dir vorstellen deinen Blog an einen großen Verlag zu verkaufen?
Da wäre ich sehr skeptisch. Ich müsste weiterhin als alleinige Bloggerin Texte verfassen können und Freiheit darüber haben, über was ich schreibe.

„Alles, bloß nicht offline!“ Im Gespräch mit Mademoiselle Jessie

Die Leidenschaft als Beruf, dabei sein eigener Chef sein. Jessica Weiß hatte viereinhalb Jahre lang genau dieses Vergnügen. Als Mitgründerin von Deutschlands erfolgreichstem Modeblog „LesMads“ (= „Les Mademoiselles“) zählt Jessie zu den Pionieren der neuen Form von Modejournalismus im Internet. „LesMads“ gab der heute 26-Jährigen einen Namen in der Modebranche. Dennoch verließ sie nach ihrem persönlichen Durchbruch ihren Blog für eine neue Herausforderung in der Online-Redaktion von Andy Warhol’s Interview Magazin. „Mademoiselle Jessie“ weiß, dass ein Blog mehr bedeutet, als ab und an mal zu schreiben: Als Bloggerin heißt es, online zu sein – und zwar 24 Stunden am Tag.

Du arbeitest nun bei der deutschen Ausgabe von „Andy Warhol’s Interview“. Trotzdem wird dein Name noch hauptsächlich mit „LesMads“ in Verbindung gebracht. Stört dich das oder bist du darauf eher stolz?
Es macht mich definitiv stolz. Hinter dem Blog steckte sehr viel Arbeit. „LesMads“ ist natürlich noch irgendwie ein Teil von mir – es ist mein Baby.

Du warst viereinhalb Jahre lang Chefin bei „LesMads“. Wie stark hat sich der Blog verändert, nachdem er vom Burda-Verlag entdeckt wurde? Blieb es weiterhin dein eigener Stil?
Man hat dem Blog selbst gar nicht angemerkt, dass plötzlich neben mir und meiner Freundin und Kollegin Julia der Burda-Verlag dahinter steckt. Burda hat uns als Bloggerinnen alle Freiheiten gelassen. Ich würde sagen, Julia und ich sind selbst älter und professioneller geworden, wodurch sich „LesMads“ verändert und mit der Zeit immer mehr verbessert hat.

Erzähle von dem Durchbruch des Blogs „LesMads“. Wie sehr hat sich damit dein Leben verändert?
Zunächst gar nicht. Ich habe mein Studium in Köln beendet und habe nebenbei für LesMads geschrieben. Das Gute war bloß, dass ich von da an für mein Hobby, meinen Modeblog, bezahlt worden bin. Zu dem Zeitpunkt gab es bei weitem nicht so viele Blogs, wie wir sie heute im Netz finden. Man könnte sagen, Julia und ich waren zur rechten Zeit am rechten Ort.

Du hast noch im Jahr 2007 Marketing-Kommunikation in Köln studiert und währenddessen aus persönlichem Interesse mit Julia „LesMads“ als eine Art Tagebuch geführt. Also warst du bereits zu dem Zeitpunkt sehr an der Modeszene und Blogs interessiert.
Ja, interessiert war ich schon immer an Blogs. Die Gründung von „LesMads“ war jedoch nur aus privatem Interesse. Zu dem Zeitpunkt habe ich allerdings nie daran gedacht, dieses persönliche Hobby zu meinem Beruf zu machen. Oder besser gesagt: Machen zu können.

Du hast nun deine Arbeit bei „LesMads“ beendet und arbeitest in der Online-Redaktion der deutschen Ausgabe von Andy Warhol’s Interview. Wie sehr hat sich deine persönliche Arbeit durch diesen Wechsel verändert? War es eine positive Entscheidung?
Ja, für mich war es die richtige Entscheidung. Ich habe für „LesMads“ keine Innovation mehr gesehen und somit keine Weiterentwicklung für mich selbst. Meine Arbeit hat sich durch den Wechsel zum Interview Magazin sehr verändert. Ich musste mich mehr anpassen. Bei „LesMads“ konnte ich subjektiv schreiben. Ich war freier als ich es jetzt bin. Als Online-Redakteurin hat man gewisse Vorgaben, die in der Struktur einzuhalten sind. Die Herausforderung ist nun, wieder eine Website und eine Marke aufzubauen.

Du sagst, du seist als Bloggerin freier gewesen. Vermisst du diese Facette der Freiheit eines Blogs bei deiner Arbeit heute?
An sich vermisse ich die Arbeit bei LesMads nicht; nur die Möglichkeit mich auszutoben, aus dem Bauch heraus zu arbeiten und zu schreiben – das fehlt nun natürlich. Damit dies nicht ganz verloren geht, schreibe ich noch ein wenig auf meinem privaten Blog lajessie.de.

Früher Bloggerin – jetzt Redakteurin: Merkst du einen Unterschied durch PR Verantwortliche? Wird deine Arbeit heute als eine seriösere angesehen, als einst bei LesMads?
Seriöser würde ich nicht sagen. Während der Zeit bei LesMads wurden Julia und ich auch ernst genommen. Das lag, nachdem wir viel dafür gearbeitet haben, wohl auch daran, dass wir in Deutschland Pioniere des Modebloggens waren. Wir hatten eine stetig wachsende Leserzahl und Erfolgserlebnisse wie den Lead Award und die Nominierung beim Grimme Online Award. Insgesamt habe ich das Gefühl, dass Modeblogs in Deutschland nicht sehr seriös betrachtet werden. Es muss differenziert werden zwischen privaten und professionell geführten Modeblogs. Da gibt es sehr große Unterschiede.

Erhältst du nun mehr Einladungen zu PR Events als früher?
Nein, es ist genauso geblieben, nur dass ich nicht mehr so viel reise wie zuvor. Die Einladungen haben sich zudem thematisch ausgeweitet, da es bei INTERVIEW ja nicht nur um Mode geht.

Viele Blogger geben an, dass sie unabhängiger sind als Redaktionen, ihre Themenwahl sei freier und ihre Texte subjektiver. Bei Magazinen muss es primär der Zielgruppe gefallen und Anzeigenkunden wollen ja auch berücksichtigt werden. Du kennst beide Seiten: Sind Berichte auf Blogs tatsächlich so viel unabhängiger als in Verlagsprodukten?
Ja, durchaus. Bei „LesMads“ habe ich über das geschrieben, was mir gefiel. Selbstverständlich habe ich auf meinen Reisen auch über diese Stadt berichtet, dort Menschen interviewt. Die einzige Vorgabe, die ich mir selbst als Chefin gegeben habe, war: Möchte jemand etwas über Mode informiert sein, muss er nur „LesMads“ lesen. Hier spielt Aktualität die wichtigste Rolle. Bei INTERVIEW ist die Themenwahl feiner, es geht nicht ausschließlich darum, die Neuigkeit zuerst zu haben. Vielmehr legen wir Wert auf ausführliche Interviews, ungewöhnliche Artikel und eine neue Herangehensweise an Themen, die eigentlich schon zuhauf im Netz behandelt werden.

Erst Blog – jetzt Online-Redaktion: Magst du kein Print?
Nein, zumindest nicht so sehr wie online. Ich gehöre auf jeden Fall zur Online-Generation.