Modelwettbewerbe: Modefirmen machen Mädchenträume wahr

Immer wieder veranstalten Modeunternehmen Modelwettbewerbe. Die Gründe dafür sind vielseitig: Store-Eröffnung, Launch einer Neuen Modemarke, Finden eines neuen Markengesichts oder eine einmalige Werbeaktion. Auf verschiedenste Art und Weise werden diese Wettbewerbe promotet und umgesetzt. Sechs dieser Modelcastings habe ich genauer unter die Lupe genommen.

G!na
Für ihre Auskopplung „Gina“ sucht die Modefirma Ernstings Family jedes Jahr aufs neue das „Gina Gesicht“. Frauen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren können sich via Internet bewerben und so am Wettbewerb teilnehmen. Zielgruppe ist die junge, gutaussehende junge Frau, die verrückt nach schöner Mode ist. Zudem wünscht Gina sich ein Mädchen, dass der Marke entspricht: selbstbewusst, wandelbar, weiblich und spontan.


Neckermann’s Next Topmodel
Im Jahr 2009 suchte Neckermann zusammen mit der Hamburger Modelagentur „Modelmanagement“ das Covergesicht des nächsten Neckermann Katalogs. Durch die Kooperation zwischen der Modemarke und der Modelagentur, wurde neben des neuen Covergesichtes auch ein potentielles Nachwuchsmodel ausfindig gemacht. Nach einer internen Auswahl trafen sich die zehn Finalistinnen für zwei Tage in Frankfurt um erste Probeshootings zu machen. Nach einigen Challenges wie dem Laufstegtraining wurde am Abend die Gewinnerin verkündet. Diese hatte dann am folgenden Tag das Covershooting, zusammen mit Starmodel Johannes Hübl. Kooperiert wurde mit VOX und Süddeutsche TV, die den Modelwettbewerb filmisch begleiteten.

sOliver
Vor einigen Jahren rief auch sOliver einen Modelwettbewerb ins Leben. Aus allen Bewerbungen wurden 25 Frauen und 25 Männer zu einem Precasting eingeladen. Diese Ausgewählten Teilnehmer hatten von nun an die Chance das Gesicht der Modemarke zu werden und einen Modelvertrag bei der bekannten Modelagentur „Louisa Models“ zu gewinnen. „Real You Gesicht“ nannte sOliver den Wettbewerb und wollte damit vor allem junge Talente fördern und zusammen mit einer Agentur nach Modelnachwuchs scouten.

Hugo Boss
Via Internet suchte das Modelabel aus dem Premium- und Luxussegment nach je einem Male und einem Female Model für die Hogo Boss Black Modenschau 2009/2010 in Berlin. Weltweit konnten via Social Media Kanal „Facebook“ Jungs und Mädchen mitmachen, die gerne auch schon Modelerfahrungen mitbringen konnten.


OTTO
Im vergangenen Jahr rief auch der Modekonzern OTTO zum nationalen Modelwettbewerb auf. Jeder, der älter als 16 Jahre ist, durfte teilnehmen und auf ein Shooting für den Streetbook Katalog von OTTO hoffen. Acht Finalisten wurden anschließend im Katalog abgebildet, zwei Teilnehmer auf dem Cover.

Alle Modelwettbewerbe wurden nach unterschiedlichen Konzepten und Aufmachungen umgesetzt, da auch die Ziele und Ergebnisse andere waren. Je nach der Zielgruppe wurde das PR Konzept ausgerichtet!

Interview mit Jutta Melchers zum „1982 Modelcontest“

Das Modelabel 1982 veranstaltete im Jahr 2010 einen Modelwettbewerb, um den Launch der Marke zu Promoten. Hierzu sprach ich mit Jutta Melchers, Abteilungsleiterin Public Relations bei Takko Fashion und PR-Verantwortliche für 1982, die an der Planung und Ausrichtung maßgeblich beteiligt war.

Warum haben Sie einen solchen Wettbewerb veranstaltet?
Wir haben im März 2010 damit begonnen, unsere Vertriebslinie „1982“ nach einer zweijährigen Testphase auszurollen. Um die erste Neueröffnungswelle zu promoten, haben wir ein zusätzliches PR-Konzept entwickelt, um die einzelnen Filialen am jeweiligen Standort bekannt zu machen, zusätzlichen Kunden-Traffic zu generieren und langfristig die Marke „1982“ zu etablieren.

Wie sieht die Planung eines solchen Wettbewerbs aus und wer ist alles involviert?
Im Vorfeld wurde eine 1982-Homepage erstellt, inklusive Microsites für jede Stadt, in der eine Filiale eröffnet. Das waren Amsterdam, Berlin, Frankfurt und Pforzheim. Auf der Microsite konnten die Teilnehmerinnen ihre Bewerbungsfotos hochgeladen. Parallel dazu waren an jeweils zwei aufeinander folgenden Wochenenden 1982-Promotionteams inkl. Fotograf in lokalen Clubs der jeweiligen Stadt unterwegs, um nach interessanten Gesichtern zu suchen. Auch diese standen nachher im Anschluss auf der Microsite zur Ansicht. In die Planung eingestiegen sind wir Anfang Mai 2010, die erste konkrete Umsetzung am ersten Standort fand Ende Juli statt. Wir haben also rund 3 Monate benötigt. Beteiligt waren dabei unsere Fashion PR Agentur Karkalis PR und die PR-Abteilung von 1982.

Warum haben Sie keinen bundesweiten Medienpartner gewählt?
Der Aktions-Claim „1982 – Style of your City“ sollte bewusst auf jede Stadt übertragbar sein und so die Möglichkeit bieten, diverse lokale Aktionen zu verbinden Mit der PR-Botschaft „Wir suchen attraktive und stylische Frauen, die aus xxx stammen“ haben wir bewusst auf den Lokalpatriotismus der Medien gesetzt, was die Wahrscheinlichkeit der Berichterstattung erhöht hat. Darum haben wir uns entsprechend auch für regionale Medienpartner entschieden, um diesen besonderen Gedanken des Contests noch zu verstärken und den PR-Effekten in den einzelnen Städten gezielt zu erhöhen.

Was war der Unterschied zu anderen Modelwettbewerben von anderen Modeunternehmen?
Unser Modelwettbewerb war natürlich ein regionalisierter Wettbewerb, der dennoch einen übergreifenden Charakter hatte, da wir in mehreren Städten gleichzeitig nach Nachwuchsmodels gesucht haben. Ein weiterer Unterschied war, dass die Teilnehmerinnen sich sowohl selbst anmelden konnten, als auch gecastet wurden.

Aus wie vielen „Runden“ bestand der Wettbewerb?
Nach der Anmeldephase folgte eine interne Auswahl der besten drei Teilnehmerinnen. Diese drei Finalistinnen wurden dann zu einem Probe-Shooting nach Berlin eingeladen. Darauf folgte erneut eine interne Auswahl der Gewinnerin. Diese wurde dann am Tag der Store-Eröffnung bekannt gegeben.

Was genau beinhaltete der Contest alles für die Kandidatinnen?
Neben einem Wochenende in Berlin mit einem professionellen Foto-Shooting gewannen die Finalistinnen einen Warengutschein von 1982 im Wert von 1000€ für die Gewinnerin und je 200€ für die Zweit- und Drittplatzierte. Außerdem bekamen sie alle ihr Bildmaterial des Shootings. Die Gewinnerin wurde zudem im Store, als auch in der Presse, veröffentlich.

Werden weitere Modelwettbewerbe folgen?
Aktuell ist für die Marke1982 kein weiteres PR-Projekt dieser Art geplant. Aber die Resonanz war sehr gut. Pro Stadt haben ca. 500 Mädchen teilgenommen, also insgesamt ca. 2500.

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Würden Sie dieses „Konzept“ grundsätzlich als gute PR Maßnahme für ein Modeunternehmen beschreiben?
Ja, auf jeden Fall. Modelcontests sind – auch wenn die Idee nicht neu ist – für Modeunternehmen immer wieder eine resonanzträchtige Aktion, da nach wie vor das Interesse von Medien und Teilnehmern sehr groß ist. Die Chance, über einen solchen Wettbewerb erste Erfahrungen im Model-Business zu machen, ist für viele junge Frauen und Mädchen immer noch reizvoll. Gerade regionalisierte Aufrufe bzw. Wettbewerbe von Unternehmen werden dabei stark frequentiert, da hier die Hemmschwelle scheinbar niedriger ist, als sich direkt bei einer Modelagentur um einen Vertrag zu bemühen. Wir haben zahlreiche Veröffentlichungen in den regionalen und überregionalen Medien mit dem Wettbewerb erzielt und zudem deutlich erhöhten Traffic bei den Neueröffnungen gehabt, so dass unser Konzept an dieser Stelle erfolgreich gegriffen hat.

Vielen Dank Frau Melchers!

Nachgefragt bei Isabel Faiss, X-Ray

Als Fachmedium beleuchtet X-Ray die Modewelt von einer anderen Seite. Das Magazin berichtet über Hintergründe und Fakten aus der Modebranche, für die Modebranche. Ich durfte mit der Redakteurin Isabel Feiss über ihre Aufgaben im Redaktionsalltag, die Idee und Inhalte des Magazins und kleine und große Fehler von PR‘ lern sprechen:

Frau Faiss, wie wird man Fachredakteurin?
Dafür gibt es wahrscheinlich keinen universellen Karriereweg. Daher kann ich nur sagen, wie ich ihn gegangen bin: nach der Ausbildung als Modejournalistin habe ich bei verschiedenen Mode- und Lifestylemagazinen gearbeitet. Sich die nötigen Fachkenntnisse anzueignen erfolgt dann ganz klassischdurch „Learning by Doing“ und durch das Führen unzähliger Gespräche mit Experten aus der Branche.

An welche Zielgruppe wendet sich X-ray und in welchen Ländern erscheint das Magazin?
X-ray richtet sich als Modefachmagazin in erster Linie an den Fachhandel, also an Modehändler, Inhaber von Fashion Stores und Onlinehändler. Daneben sprechen wir aber natürlich auch die Industrie und alle Entscheidungsträger der Branche an. X-ray erscheint viermal jährlich auf Deutsch und auf Englisch. Im Fokus stehen die Länder Deutschland, Österreich und die Schweiz. Das Heft erscheint zudem auch in Italien, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Dänemark, Schweden, Großbritannien und Irland.

Als Fachmedium berichten Sie früher als Publikumstitel über Trends. Was unterscheidet sie sonst noch von Modemagazinen wie der Vogue?
„Aus der Branche für die Branche“ ist das Motto. Im Gegensatz zu Titeln wie der Elle, der InStyle oder der Vogue berichtet X-ray über Hintergründe, wirtschaftliche Entwicklungen, marktrelevante Veränderungen und Tendenzen, die für alle Marktteilnehmer wichtig sind. Bei jeder Themenkonferenz stellen wir uns die Frage: Welchen Mehrwert hat der Leser von dieser Story? Vielleicht ist es anhand eines Beispiels schöner zu erklären: Während eine Redakteurin der Elle mit Henrik Vibskov tendenziell über seine aktuelle Kollektion spricht, würden wir uns darüber hinaus mit Rike Döpp von Agency V in Berlin über die tatsächlichen Verkaufszahlen unterhalten. Oder mit zwei, drei Referenzstores wie WoodWood in Berlin über die veränderte Nachfrage skandinavischer Streetwear im deutschen Markt. Oder mit der Produktionsstätte über die Möglichkeit ökologischer Herstellungsprozesse, Innovationen in der Vorstufe und auf Materialebene. Einfach gesagt: Während Publikumstitel über das Stück Stoff als fertiges Produkt berichten, fängt für uns die Thematik weit hinter dem Stoff an. Wir beleuchten alles, was vor und hinter dem Endprodukt liegt. Wir sprechen über Entscheidungen, die wichtigsten Personen der Branche und ihre Strategien, wir verfolgen Geldflüsse und die Gesamtauswirkungen im Markt.

Die X-ray erscheint nur vier Mal im Jahr. Warum haben Sie diese Taktung gewählt?
Wir haben den Rhythmus unseres Heftes dem Rhythmus der Branche versucht anzupassen. Zweimal im Jahr, im Januar und Juli finden die wichtigsten Modemessen statt. Dort berichtet die Branche über die übernächste Saison. Zu diesen Messeterminen erscheint je eine Ausgabe. Im direkten Anschluss an die Messe beginnt für Modehändler die wichtige Orderphase. Um sie in ihren Entscheidungsprozessen optimal zu unterstützen und zu begleiten, bringen wir zu diesem Termin zwei weitere Ausgaben raus.

Was genau beinhaltet Ihr Aufgabenbereich im Redaktionsalltag?
Das beinhaltet in erster Linie die Recherche von redaktionellen Inhalten, die zu 95 Prozent über Gespräche mit Experten aus verschiedenen Bereichen der Branche erfolgt. In X-ray wollen wir möglichst viel Meinung und Haltung publizieren, daher stehen Menschen und ihre persönliche Meinung immer an erster Stelle. Nach der Recherche fasse ich die Ergebnisse zu Texten zusammen. Hinzu kommt der organisatorische Ablauf der Heftproduktion, den wir als Team gemeinsam begleiten.

Wie informieren Sie sich über Neuigkeiten?
Hauptsächlich über Gespräche auf Messen, auf Pressetagen und mit Kollegen. Zusätzlich ist man als Journalist in vielen Verteilern gelistet und erhält fast im Minutentakt Pressemeldungen zu aktuellen Ereignissen.

Nutzen Sie Social Media Tools für Ihre Arbeit?
Nein. Die meisten Social Media Tools bewegen sich inhaltlich in einer anderen Zeit. Wir sind thematisch immer mindestens ein Jahr voraus. Foren und Blogs greifen daher überwiegend Themen auf, die für uns schon nicht mehr relevant sind. Zudem liegt für mich ein entscheidender Nachteil dieser Tools in der Willkür der Betreiber hinsichtlich des Datenschutzes. Vorteile ergeben sich durch solche Tools nur dahingehend, dass sie mir meinen Joballtag erleichtern, durch die Möglichkeit, mit Autoren am anderen Ende der Welt zu kommunizieren. Für redaktionelle Themen profitiere ich kaum.

Wie entscheiden Sie, welche Storys im Heft veröffentlicht werden?
Wir stellen uns immer die Frage, was unsere Leser, also hauptsächlich Entscheidungsträger aus dem Fachhandel und dem Einkauf, an einer Thematik interessiert. Oder ob es Themen gibt, die der Branche gerade auf der Seele brennen.

Sie produzieren auch Fotostrecken. Wonach wählen Sie die Produkte aus, die gezeigt werden?
Wir wählen Produkte nach Themen aus, die wir aufgrund unserer Recherche definiert haben. Ein großes Thema der letzten Ausgaben war beispielsweise die auffälligen stilistischen Veränderungen in der New Menswear. Dazu haben wir dann auch eine Modestrecke umgesetzt. Unsere Editorials richten sich meistens an großen Geschichten im Heft aus.

Was würden Sie als klassischen Fauxpas eines PR Verantwortlichen bezeichnen, der versucht eine Meldung oder ein Produkt in Ihrem Magazin zu platzieren?
Leider merke ich immer wieder, dass PR-Agenten über ihre Kunden und deren Produkte nur oberflächlich informiert sind. Für mich ist es ärgerlich, wenn ich eine Pressemeldung bekomme, die Fragen aufwirft und ich auf diese Fragen dann zeitnah keine fundierten Antworten bekomme. PR-Agenten sind unsere erste Anlaufstelle, wenn wir Informationen brauchen. Diese Informationen sollten dann aber auch abrufbar und belegt sein. Ein gut informierter PR-Berater, der mir zu seinem Kunden wirklich spannende Infos geben kann und voll und ganz hinter dem Thema oder der Marke steht, hat die besten Chancen. An so einen Ansprechpartner wende ich mich dann regelmäßig mit Anfragen. Eine Pressemitteilung, die in sich widersprüchlich ist oder vage Aussagen enthält, hat keine Chancen. Zeitverzögerungen können wir uns in unserem Job nicht leisten. Eine Anfrage an eine PR-Agentur sollte innerhalb eines Tages beantwortet sein, zumindest mit einem Lebenszeichen des Angesprochenen. Am besten sind Pressemitteilungen, die sich auf das Wesentliche beschränken, kurz und knapp formuliert sind, einen Link zum direkten Ansprechpartner für weitere Fragen enthalten und immer Bildmaterial beinhalten das auch druckfähig ist.

Vielen Dank, Isabel Faiss.