Alexander Radermacher: So organisiert man eine Fashionshow

Alexander Radermacher, Fashion Consultant bei Igedo

Eine Fashionshow ist wohl eines bekanntesten Imagetools in der Modebranche. Wir sprachen mit Alexander Radermacher, Fashion Consultant bei der Igedo Company. Er organisiert Fashionshows bei der Schuhmesse GDS und erzählt von der Planung und typischen Problemen.

Was ist der optimale Rahmen für eine Fashionshow? Unabhängig organisierte Shows, Messen oder ein kollektiver Rahmen, wie die Mercedes Benz Fashion Week? 
Hier muss man abwägen. Eine Fashionshow im Rahmen einer Messe hat vor allem ein Hauptziel: Ordern. Schauen während Fashionshows sind in erster Linie ein Imagetool. Das zeigt sich schon daran, welche Stücke am Ende im Verkauf landen. Einkäufer können jedes Teil auf dem Laufsteg einer Messe kaufen, während Kollektionen, die auf Fashionweeks präsentiert werden, oftmals nur zu einem kleinen Teil im Verkauf landen.

Und was spricht für bzw. gegen diese unterschiedlichen Rahmenbedingungen?
Grundsätzlich erzeugt eine Fashionshow natürlich Aufmerksamkeit – egal ob auf einer Messe oder auf einer Fashionweek. Doch gerade im Rahmen einer Messer hat sie oft auch den Vorteil, dass die Kollektionen lebendiger vorgeführt werden. Silhouetten, Schnitte und Formen kommen so natürlich immer viel besser zur Geltung als am Kleiderständer. Das fördert natürlich auch den Orderwunsch der Kunden.

Wie viel Zeit nimmt die Planung einer Fashionshow in Anspruch?
Die reine Organisation nimmt natürlich sehr viel Zeit in Anspruch. Bei der GDS zum Beispiel, die im September stattfindet, beginnen in der Regel Anfang Juni mit ersten Anfragen. Die Überlegungen beginnen natürlich schon viel früher.

Wie viele Leute arbeiten daran?
Unser Team besteht aus vier Mitarbeitern. Mit Aushilfen sind wir dann meistens zu sechst. Das betrifft aber nur die reine Organisation. Mit Technik, Haare/Make-Up usw. sind es etwa 50 Personen.

Welche Aufgabenbereiche gibt es für diese 50 Personen?
In erster Linie gibt es das Team „Mode“. Hier suchen wir Designer und Marken, die wir uns in einer solchen Fashionshow vorstellen können. Dann gibt es natürlich den großen Bereich Technik, zu dem Musik, Licht, Bühnenbau gehören. Der Bereich Organisation umfasst die Budgetverwaltung, Backstage, den Showablauf oder natürlich Brandschutz.

Welche Faktoren während der Organisation sind schwer zu kontrollieren bzw. gehen häufig schief?
Was eigentlich immer schief geht und unheimlich schwer zu kontrollieren ist, ist der Bereich „Haare/Make-Up“. Wir machen uns natürlich immer viele Gedanken im Vorfeld, wählen danach auch immer die Models aus. Doch irgendwas passiert immer. Man bereitet sich quasi schon auf solche Pannen vor und hält beide Augen offen.
Bei der GDS beispielsweise haben wir eigentlich immer Probleme mit den Schuhgrößen. Es handelt sich dabei ja um Mustermodelle, die immer in Größe 37 hergestellt werden. Dass nicht jedes Model in Schuhgröße 37 hineinpasst, kann man sich ja vorstellen. Das macht natürlich dann ziemliche Probleme, wenn man gewisse Modelle in der Show haben möchte beziehungsweise muss und man einfach kein Model findet, dass darin laufen kann.

Einige Designer haben konkrete Vorstellungen von ihrer Show. Wie sehr erschwert das die Organisation?
Das ist natürlich immer in erster Linie eine Frage des Geldes. Da besondere Vorstellungen auch immer mit Mehraufwand und oft auch höheren Kosten verbunden sind. Zu solchen Vorstellungen kommt es gerade bei der Messe aber eher selten, da viele Designer von uns an die Hand genommen werden wollen.Die meisten unter ihnen haben nämlich nicht so viel Erfahrungen mit Shows.

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Wie hoch sind die Kosten für eine Fashionshow? Wie unterscheiden sich die Kosten auch durch die unterschiedlichen Rahmenbedingungen?
Das ist sehr schwierig zu verallgemeinern. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass eine Fashionshow immer Non-Profit.

Und warum macht man überhaupt eine?
Wie gesagt, es handelt sich in erster Linie um ein reines Imagetool. Marketing- und PR-Abteilungen beispielsweise freuen sich immer über die Bilder einer Fashionshow. Wie schon gesagt präsentiert so eine Show die Mode nochmal ganz anders und fördert auch den Umsatz der Designer, sowie ihren Bekanntheitsgrad.

Wie wichtig sind Kooperationen oder Sponsoren?
Das ist immer ein sehr hoher Kostenpunkt, der uns erspart bleibt. Haare und Makeup werden in der Regel immer gesponsert. Genauso wie das Catering, wenn es eins gibt. Das hilft uns sehr und ermöglicht uns auch oft erst, eine Show umzusetzen.

Aufmerksamkeit soll häufig durch Prominente erzeugt werden. Was spricht dafür, was dagegen dieser Strategie zu folgen? Trifft das ihre Zielgruppe?
Das muss man sehr differenziert betrachten. Auf der einen Seite locken Prominente natürlich immer die Aufmerksamkeit auf eine Messe oder eben die Fashionshow. So berichten gerne auch die Tagespresse oder einige Publikumszeitschriften. Auf der anderen Seite haben wir eine andere Zielgruppe. Uns geht es natürlich eher um die Fachpresse oder die Einkäufer. Trotzdem darf man den Endverbraucher nicht ganz vergessen. Immerhin trägt er am Ende die gezeigte Mode.