Nachgefragt bei Karolina Landowski , Schuhkurier

Als eine der ersten Absolventinnen des Fachs Modejournalismus / Medienkommunikation an der AMD hat es Karolina Landowski weit gebracht. Sie arbeitet für den Sterneverlag, zum einen als stellvertretende Chefredakteurin des „Step Fashion“-Magazins und ist dazu noch an den Magazinen „Schuhkurier“, „I love shoes“, „STEP Kids“ und „Lederwaren Report“ beteiligt. Für diese Magazine reist sie von Messe zu Messe, spricht mit internationalen Markenvertretern und weiß immer, was gerade der Trend in der Schuhwelt ist. Im Interview erzählt sie, wie gute PR für sie aussehen sollte, was die meisten PR-Angestellten falsch machen und in wie fern Social Media für ihre Arbeit eine Rolle spielt.

Wie entscheiden Sie welche Stories im Heft veröffentlicht werden?
Dazu schauen wir uns die eingegangenen Pressemitteilungen genau an und entscheiden dann danach, was aktuell interessant ist und auch unsere Leser anspricht. Ansonsten hält unser Team auf Messen und bei Terminen natürlich immer Ohren und Augen offen, um Ideen für Reportagen und Interviews zu sammeln, die vielleicht neue oder auch noch recht unbekannte Aspekte aufgreifen.

Wie recherchieren Sie Ihre Themen?
Wir arbeiten hauptsächlich mit direkter Recherche. Das bedeutet, dass wir immer bei den jeweiligen Ansprechpartnern der Marken persönlich anrufen, um an Informationen zu gelangen. Oft kommt es aber auch vor, dass wir direkt Vorort, das heißt an Events oder Messen, mit Verantwortlichen von Unternehmen sprechen. Das Internet benutzen wir zwar als Recherchemittel, prüfen Informationen, die wir dort finden, aber immer noch einmal nach. Natürlich hilft und das Netz auch bei Ideenfindungen.

Gibt es Stories oder Themen, mit denen sich ein Heft besser verkauft?
Es gibt keine bestimmten Stories oder Themen, mit denen sich das Magazin besser verkauft. Aber wir versuchen natürlich, durch exklusive Stories und Interviews unseren Lesern Informationen zu bieten, die sie nicht anderswo bekommen. Da unser Fachmagazin nur als Abonnement erhältlich ist, sind wir glücklicherweise in der Position, dass wir einzelne Hefte nicht durch Schlagzeilen verkaufen müssen. Wir legen bei aktuellen News aber sehr großen Wert darauf, die Ersten zu sein, die das Thema genauer unter die Lupe nehmen. Und durch unsere wöchentliche Erscheinungsweise gelingt das auch meistens.

Nehmen beispielsweise Anzeigenkunden Einfluss auf Themen im Heft?
Natürlich versuchen wir unsere Anzeigenkunden in einem gewissen Maße zu berücksichtigen. Wenn wir Fotoshootings oder Styleseiten im Magazin planen, werden Anzeigenkunden nach passenden Teilen aus ihrer aktuellen Kollektion gefragt. Aber dass sie direkten Einfluss auf Themen im Heft haben, ist nicht der Fall.

Was sollten PR-Verantwortliche lieber sein lassen, weil es nervt?
Was leider ständig vorkommt und wirklich eine nervige Angelegenheit ist, wenn man mehrfach von einer Agentur angerufen und gefragt wird, ob ihre Pressemitteilung bei uns angekommen ist und wann wir eine Veröffentlichung planen. Besonders weil wir jede Woche stapelweise Pressemitteilungen im Briefkasten haben.

Fällt Ihnen eine besondere PR-Panne ein?
Eine besondere Panne nicht, aber was leider immer wieder passiert ist, Pressemitteilungen wieder zurückgerufen werden, weil sie fehlerhaft oder noch nicht vollständig genehmigt waren. Oft kommt auch vor, dass Pressemitteilungen an uns geschickt werden, die namentlich an unsere Mitbewerber adressiert sind. Das nehmen wir mit sehr viel Humor, aber es wirft einfach ein schlechtes Licht auf die jeweilige PR-Agentur, die ihren Verteiler wohl nicht im Griff hat.

Wie sollten Pressemitteilungen für Sie aufgebaut sein?
Mir gefallen natürlich ganz klassische Pressemitteilungen. Das heißt eine Mappe mit Pressetext und CD. CD ganz bewusst, da man diese viel besser archivieren und einsortieren kann als USB-Sticks, und sie meistens eine Booklet mit praktischer Bildübersicht haben. Mittlerweile werden Pressemitteilungen immer kreativer oder werden mit Give-aways ausgestattet. Das ist zwar sehr nett und eine schöne Abwechslung, jedoch nimmt es keinen Einfluss auf unsere Themenfindung. Insgesamt werden mehr und mehr Pressemitteilungen mit  Download-Link per E-Mail herausgeschickt. Das schätze ich sehr, denn sind einfach viel umweltfreundlicher und ersparen uns den Papierkram auf unseren Schreibtischen.

Machen Sie selbst Werbung und/oder PR für ihr Magazin?
Nein, nicht direkt. Klar, sind wir auf Messen mit Ständen und Plakaten vertreten oder machen Werbung für andere Magazine unseres Verlages in unserem Heft. Aber dass wir selbst Anzeigen in der Publikumspresse oder anderen Magazinen schalten ist nicht der Fall.

Nutzen Sie Social Media Tools für Ihre Arbeit?
Ja, wir sind auf Facebook und Twitter zu finden. Da versuchen wir mindestens vier Mal täglich Beiträge zu posten. Darunter sind aktuelle News, Infos zu unserer aktuellen Ausgabe und Umfragen. Mehrmals Mal im Jahr veranstalten wir dann über diese Seiten Verlosungen.

Würden Sie sagen, dass Social Media in den letzten Jahren ein Grundbaustein für PR geworden ist und ist PR ohne Social Media überhaupt noch möglich?
Social Media ist für PR und Werbung auf jeden Fall eine große Hilfe. Besonders um Produkte und Events zu vermarkten ist Social Media ein sehr wichtiges Medium geworden. Für Fachmagazine, wie unseres, ist Social Media dagegen nicht elementar wichtig, denn wir sind den Themen inhaltlich ein Jahr voraus. Wir nutzen unsere Facebook-, und Twitter Acounts hauptsächlich zur Leserpflege. Das Internet ist an sich schon überfüllt von Informationen, dass für uns Social Media ein unterhaltsames i-Tüpfelchen für unsere Arbeit ist.

Nachgefragt bei Miriam Müller, JOY.DE

Was ist der konkrete Unterschied zwischen einer Produktveröffentlichung in der Printausgabe der Joy und auf Joy.de?
Der gravierendste Unterschied ist, dass wir im Onlinebereich oft Produkte in Serien veröffentlichen, während in der Printausgabe auch gerne mal Einzelprodukte abgebildet werden. Bei uns ist es natürlich themenabhängig, wenn es zum Beispiel um das Thema Sonnenschutz geht, haben wir eine ganze Reihe an Produkten die wir publizieren.

 

Wie entscheiden Sie, welche Produkte Sie auf joy.de veröffentlichen?
Wie schon erwähnt haben wir einen Themenplan an dem wir uns orientieren und an den wir uns halten. Man erhält natürlich sehr viele Produktvorschläge von Agenturen, die wir sammeln und wenn sich ein Thema ergibt, veröffentlicht werden.

Und woher wissen Sie, was zu Ihren Userinnnen passt?
Die Joy-userin ist eher verspielt. Sie liebt süßes und mädchenhaftes. Das merkt man vor allem wenn wir etwas glitzerndes von Hello Kitty auf unserer Facebook Seite posten- da bekommen wir die stärkste Resonanz.

Orientieren Sie sich an Veröffentlichungen in anderen Internetportalen?
Natürlich schaut man sich bei der Themenfindung oder zur Trendrecherche die Seiten der Konkurrenz an und lässt sich inspirieren.

Lesen Sie die Fachpresse (Textilwirtschaft & co.) um sich zu informieren?
Wenig! Die Inhalte sind sehr Branchen spezifisch. Anders als in der Printausgabe sind wir bei joy.de nur zu zweit und sind nicht spezialisiert auf einen bestimmten Bereich. Wir machen von Mode über Beauty und Stars alles und haben leider zu wenig Zeit um tief gehend eine einzelne Disziplin zu recherchieren.

Was sollte ein PR-Verantwortlicher besser nicht tun, weil es Sie stört?
Ich persönlich finde es immer sehr störend, wenn man riesige Emails von Agenturen mit allen möglichen Produkten erhält, die man gar nicht angefragt hat.

Und was hingegen ist ein guter Service, der die Wahrscheinlichkeit eines Abdrucks erhöht?
Ich bevorzuge ein kurzes Telefonat, in dem gefragt wird, was wir bei unseren einzelnen Themen gebrauchen könnten. Es gibt natürlich Dinge wie Bademode oder Dessous, die immer gehen.

Was nutzen Sie für Ihre Arbeit am intensivsten: a)Gedruckte Lookbooks und Pressemappen b)Emails mit Anhang c)Den Pressebereich auf Websites der Unternehmen?
Also wir nutzen hauptsächlich zwei Dinge. Die Lookbooks die wir zugesendet bekommen, werden natürlich gesammelt, damit sie griffbereit sind. Bildmaterial und Freisteller werden von den CDs auf unseren Server geladen und geordnet Die Pressebereiche auf Websites nutzen wir eigentlich nur wenn wir etwas ganz bestimmtes suchen und genau wissen, dass wir es bei einer bestimmten Agentur gesehen haben.

Nutzen Sie auch Social Media-Tools für Ihre Arbeit?
Wir nutzen Facebook sehr stark für unsere Fans und sind dort sehr aktiv. Außerdem haben wir eigene Videos auf joy.de. Mit Twitter haben wir mal angefangen aber es war leider zu marginal.

Ist Ihnen in Bezug auf das Verhältnis von Medien zu Pressestellen, im Laufe Ihrer Karriere eine Veränderung der Branche aufgefallen?
Es fällt besonders auf das der Onlinebereich immer wichtiger wird. Auch Apps und Tablet PCs bieten heute ganz neue Möglichkeiten. Im Bezug auf die Arbeit mit PR Agenturen hat sich die Arbeit in den letzten Jahren durch das Internet sehr vereinfacht. Jeder kann Dropbox verwenden- das ist eine wahnsinnige Erleichterung.

Wie wichtig schätzen Sie das Medium Joy, für die Beziehung zu Fashion PR Agenturen ein?
Die Joy ist natürlich in Deutschland sehr bekannt und etabliert. Bisher gab es keine Probleme Produkte zu erhalten.

Nachgefragt bei Isabel Faiss, X-Ray

Als Fachmedium beleuchtet X-Ray die Modewelt von einer anderen Seite. Das Magazin berichtet über Hintergründe und Fakten aus der Modebranche, für die Modebranche. Ich durfte mit der Redakteurin Isabel Feiss über ihre Aufgaben im Redaktionsalltag, die Idee und Inhalte des Magazins und kleine und große Fehler von PR‘ lern sprechen:

Frau Faiss, wie wird man Fachredakteurin?
Dafür gibt es wahrscheinlich keinen universellen Karriereweg. Daher kann ich nur sagen, wie ich ihn gegangen bin: nach der Ausbildung als Modejournalistin habe ich bei verschiedenen Mode- und Lifestylemagazinen gearbeitet. Sich die nötigen Fachkenntnisse anzueignen erfolgt dann ganz klassischdurch „Learning by Doing“ und durch das Führen unzähliger Gespräche mit Experten aus der Branche.

An welche Zielgruppe wendet sich X-ray und in welchen Ländern erscheint das Magazin?
X-ray richtet sich als Modefachmagazin in erster Linie an den Fachhandel, also an Modehändler, Inhaber von Fashion Stores und Onlinehändler. Daneben sprechen wir aber natürlich auch die Industrie und alle Entscheidungsträger der Branche an. X-ray erscheint viermal jährlich auf Deutsch und auf Englisch. Im Fokus stehen die Länder Deutschland, Österreich und die Schweiz. Das Heft erscheint zudem auch in Italien, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Dänemark, Schweden, Großbritannien und Irland.

Als Fachmedium berichten Sie früher als Publikumstitel über Trends. Was unterscheidet sie sonst noch von Modemagazinen wie der Vogue?
„Aus der Branche für die Branche“ ist das Motto. Im Gegensatz zu Titeln wie der Elle, der InStyle oder der Vogue berichtet X-ray über Hintergründe, wirtschaftliche Entwicklungen, marktrelevante Veränderungen und Tendenzen, die für alle Marktteilnehmer wichtig sind. Bei jeder Themenkonferenz stellen wir uns die Frage: Welchen Mehrwert hat der Leser von dieser Story? Vielleicht ist es anhand eines Beispiels schöner zu erklären: Während eine Redakteurin der Elle mit Henrik Vibskov tendenziell über seine aktuelle Kollektion spricht, würden wir uns darüber hinaus mit Rike Döpp von Agency V in Berlin über die tatsächlichen Verkaufszahlen unterhalten. Oder mit zwei, drei Referenzstores wie WoodWood in Berlin über die veränderte Nachfrage skandinavischer Streetwear im deutschen Markt. Oder mit der Produktionsstätte über die Möglichkeit ökologischer Herstellungsprozesse, Innovationen in der Vorstufe und auf Materialebene. Einfach gesagt: Während Publikumstitel über das Stück Stoff als fertiges Produkt berichten, fängt für uns die Thematik weit hinter dem Stoff an. Wir beleuchten alles, was vor und hinter dem Endprodukt liegt. Wir sprechen über Entscheidungen, die wichtigsten Personen der Branche und ihre Strategien, wir verfolgen Geldflüsse und die Gesamtauswirkungen im Markt.

Die X-ray erscheint nur vier Mal im Jahr. Warum haben Sie diese Taktung gewählt?
Wir haben den Rhythmus unseres Heftes dem Rhythmus der Branche versucht anzupassen. Zweimal im Jahr, im Januar und Juli finden die wichtigsten Modemessen statt. Dort berichtet die Branche über die übernächste Saison. Zu diesen Messeterminen erscheint je eine Ausgabe. Im direkten Anschluss an die Messe beginnt für Modehändler die wichtige Orderphase. Um sie in ihren Entscheidungsprozessen optimal zu unterstützen und zu begleiten, bringen wir zu diesem Termin zwei weitere Ausgaben raus.

Was genau beinhaltet Ihr Aufgabenbereich im Redaktionsalltag?
Das beinhaltet in erster Linie die Recherche von redaktionellen Inhalten, die zu 95 Prozent über Gespräche mit Experten aus verschiedenen Bereichen der Branche erfolgt. In X-ray wollen wir möglichst viel Meinung und Haltung publizieren, daher stehen Menschen und ihre persönliche Meinung immer an erster Stelle. Nach der Recherche fasse ich die Ergebnisse zu Texten zusammen. Hinzu kommt der organisatorische Ablauf der Heftproduktion, den wir als Team gemeinsam begleiten.

Wie informieren Sie sich über Neuigkeiten?
Hauptsächlich über Gespräche auf Messen, auf Pressetagen und mit Kollegen. Zusätzlich ist man als Journalist in vielen Verteilern gelistet und erhält fast im Minutentakt Pressemeldungen zu aktuellen Ereignissen.

Nutzen Sie Social Media Tools für Ihre Arbeit?
Nein. Die meisten Social Media Tools bewegen sich inhaltlich in einer anderen Zeit. Wir sind thematisch immer mindestens ein Jahr voraus. Foren und Blogs greifen daher überwiegend Themen auf, die für uns schon nicht mehr relevant sind. Zudem liegt für mich ein entscheidender Nachteil dieser Tools in der Willkür der Betreiber hinsichtlich des Datenschutzes. Vorteile ergeben sich durch solche Tools nur dahingehend, dass sie mir meinen Joballtag erleichtern, durch die Möglichkeit, mit Autoren am anderen Ende der Welt zu kommunizieren. Für redaktionelle Themen profitiere ich kaum.

Wie entscheiden Sie, welche Storys im Heft veröffentlicht werden?
Wir stellen uns immer die Frage, was unsere Leser, also hauptsächlich Entscheidungsträger aus dem Fachhandel und dem Einkauf, an einer Thematik interessiert. Oder ob es Themen gibt, die der Branche gerade auf der Seele brennen.

Sie produzieren auch Fotostrecken. Wonach wählen Sie die Produkte aus, die gezeigt werden?
Wir wählen Produkte nach Themen aus, die wir aufgrund unserer Recherche definiert haben. Ein großes Thema der letzten Ausgaben war beispielsweise die auffälligen stilistischen Veränderungen in der New Menswear. Dazu haben wir dann auch eine Modestrecke umgesetzt. Unsere Editorials richten sich meistens an großen Geschichten im Heft aus.

Was würden Sie als klassischen Fauxpas eines PR Verantwortlichen bezeichnen, der versucht eine Meldung oder ein Produkt in Ihrem Magazin zu platzieren?
Leider merke ich immer wieder, dass PR-Agenten über ihre Kunden und deren Produkte nur oberflächlich informiert sind. Für mich ist es ärgerlich, wenn ich eine Pressemeldung bekomme, die Fragen aufwirft und ich auf diese Fragen dann zeitnah keine fundierten Antworten bekomme. PR-Agenten sind unsere erste Anlaufstelle, wenn wir Informationen brauchen. Diese Informationen sollten dann aber auch abrufbar und belegt sein. Ein gut informierter PR-Berater, der mir zu seinem Kunden wirklich spannende Infos geben kann und voll und ganz hinter dem Thema oder der Marke steht, hat die besten Chancen. An so einen Ansprechpartner wende ich mich dann regelmäßig mit Anfragen. Eine Pressemitteilung, die in sich widersprüchlich ist oder vage Aussagen enthält, hat keine Chancen. Zeitverzögerungen können wir uns in unserem Job nicht leisten. Eine Anfrage an eine PR-Agentur sollte innerhalb eines Tages beantwortet sein, zumindest mit einem Lebenszeichen des Angesprochenen. Am besten sind Pressemitteilungen, die sich auf das Wesentliche beschränken, kurz und knapp formuliert sind, einen Link zum direkten Ansprechpartner für weitere Fragen enthalten und immer Bildmaterial beinhalten das auch druckfähig ist.

Vielen Dank, Isabel Faiss.