Nachgefragt bei Miriam Müller, JOY.DE

Was ist der konkrete Unterschied zwischen einer Produktveröffentlichung in der Printausgabe der Joy und auf Joy.de?
Der gravierendste Unterschied ist, dass wir im Onlinebereich oft Produkte in Serien veröffentlichen, während in der Printausgabe auch gerne mal Einzelprodukte abgebildet werden. Bei uns ist es natürlich themenabhängig, wenn es zum Beispiel um das Thema Sonnenschutz geht, haben wir eine ganze Reihe an Produkten die wir publizieren.

 

Wie entscheiden Sie, welche Produkte Sie auf joy.de veröffentlichen?
Wie schon erwähnt haben wir einen Themenplan an dem wir uns orientieren und an den wir uns halten. Man erhält natürlich sehr viele Produktvorschläge von Agenturen, die wir sammeln und wenn sich ein Thema ergibt, veröffentlicht werden.

Und woher wissen Sie, was zu Ihren Userinnnen passt?
Die Joy-userin ist eher verspielt. Sie liebt süßes und mädchenhaftes. Das merkt man vor allem wenn wir etwas glitzerndes von Hello Kitty auf unserer Facebook Seite posten- da bekommen wir die stärkste Resonanz.

Orientieren Sie sich an Veröffentlichungen in anderen Internetportalen?
Natürlich schaut man sich bei der Themenfindung oder zur Trendrecherche die Seiten der Konkurrenz an und lässt sich inspirieren.

Lesen Sie die Fachpresse (Textilwirtschaft & co.) um sich zu informieren?
Wenig! Die Inhalte sind sehr Branchen spezifisch. Anders als in der Printausgabe sind wir bei joy.de nur zu zweit und sind nicht spezialisiert auf einen bestimmten Bereich. Wir machen von Mode über Beauty und Stars alles und haben leider zu wenig Zeit um tief gehend eine einzelne Disziplin zu recherchieren.

Was sollte ein PR-Verantwortlicher besser nicht tun, weil es Sie stört?
Ich persönlich finde es immer sehr störend, wenn man riesige Emails von Agenturen mit allen möglichen Produkten erhält, die man gar nicht angefragt hat.

Und was hingegen ist ein guter Service, der die Wahrscheinlichkeit eines Abdrucks erhöht?
Ich bevorzuge ein kurzes Telefonat, in dem gefragt wird, was wir bei unseren einzelnen Themen gebrauchen könnten. Es gibt natürlich Dinge wie Bademode oder Dessous, die immer gehen.

Was nutzen Sie für Ihre Arbeit am intensivsten: a)Gedruckte Lookbooks und Pressemappen b)Emails mit Anhang c)Den Pressebereich auf Websites der Unternehmen?
Also wir nutzen hauptsächlich zwei Dinge. Die Lookbooks die wir zugesendet bekommen, werden natürlich gesammelt, damit sie griffbereit sind. Bildmaterial und Freisteller werden von den CDs auf unseren Server geladen und geordnet Die Pressebereiche auf Websites nutzen wir eigentlich nur wenn wir etwas ganz bestimmtes suchen und genau wissen, dass wir es bei einer bestimmten Agentur gesehen haben.

Nutzen Sie auch Social Media-Tools für Ihre Arbeit?
Wir nutzen Facebook sehr stark für unsere Fans und sind dort sehr aktiv. Außerdem haben wir eigene Videos auf joy.de. Mit Twitter haben wir mal angefangen aber es war leider zu marginal.

Ist Ihnen in Bezug auf das Verhältnis von Medien zu Pressestellen, im Laufe Ihrer Karriere eine Veränderung der Branche aufgefallen?
Es fällt besonders auf das der Onlinebereich immer wichtiger wird. Auch Apps und Tablet PCs bieten heute ganz neue Möglichkeiten. Im Bezug auf die Arbeit mit PR Agenturen hat sich die Arbeit in den letzten Jahren durch das Internet sehr vereinfacht. Jeder kann Dropbox verwenden- das ist eine wahnsinnige Erleichterung.

Wie wichtig schätzen Sie das Medium Joy, für die Beziehung zu Fashion PR Agenturen ein?
Die Joy ist natürlich in Deutschland sehr bekannt und etabliert. Bisher gab es keine Probleme Produkte zu erhalten.

Fashion PR: Mehr als nur Produktplatzierung

Fälschlicherweise wird Fashion PR oft nur mit Produkt PR, also dem Platzieren von Produkten in Zeitschriften, TV oder Blogs, gleichgesetzt. Aber Fashion PR umfasst vielfältigere Aufgabenfelder als das bloße Platzieren von Produkten in Publikationen. Produkt PR ist zwar ein Teil der Fashion PR, aber Fashion PR beschäftigt sich mit allen PR Aufgabengebieten für Modeunternehmen. Dazu gehören neben der Produkt PR auch Unternehmens PR oder Brand PR, darunter versteht man eine einheitliche Präsentation des Unternehmens in der Öffentlichkeit und das Betonen der Markenvorzüge. Es gilt Alleinstellungsmerkmale der Marke oder der Person (Personality-PR), für die die PR Agentur zuständig ist, zu finden und diese auszubauen.

Außerdem gehört zu der Arbeit eines Fashion PRlers auch die Mitarbeiterkommunikation. Diese dient dazu den Informationsaustausch zwischen allen Mangement- und Mitarbeiterebenen zu gewährleisten,  Mitarbeiter zu motivieren und schnelle Arbeitsabläufe zu unterstützen. Werkzeuge der Mitarbeiterkommunikation sind beispielsweise die Mitarbeiterzeitschrift oder das Intranet. Richtig eingesetzt, hilft beides, die Unternehmenskultur zu festigen.

Um eine Marke bekannter zu machen, bedient sich ein Unternehmen der Brand PR. Mit dieser wird beispielsweise durch Events oder einer gezielten Kampagne das Ansehen der Marke verbessert. Jede  Fashionshow eines Designers ist ein solches Event, es dient ausschließlich dazu, das Image der Marke zu verbessern und die Marke einer breiteren Masse zu präsentieren. Gerne werden auch Bekannte Persönlichkeiten genutzt um bekannter zu werden. Warum sonst statten Designer Prominente zu wichtigen Veranstaltungen aus, oder laden sie zu ihrer Shoperöffnung ein. Promis versprechen immer auch eine breitere Öffentlichkeit und das ist es was jede Modemarke erreichen will.

Außerdem kann auch Corporate Publishing zur Fashion PR gehören. Corporate Publishing ist journalistisch aufbereitete Unternehmenskommunikation mit eigenen Medien, das können Kundenzeitschriften, Firmenzeitungen oder eigene Youtubechannels sein – wichtig ist, dass diese Medien redaktionell geprägt sind. Gelungene Beispiele für Corporate Publishing sind das Kundenmagazin von H&M in dem vierteljährlich aktuelle Trends durch Produkte von H&M gezeigt werden. In manchen Fällen sind die Grenzen zu Social Media fließend, wie der BlogTwo for Fashion von Otto zeigt, in dem Streetstylefotos veröffentlicht werden Umstylings gezeigt werden und interne Jobangebote veröffentlicht werden.

Ähnlich dem Corporate Publishing wird auch auf  Facebook – und Twitterseiten einzelner Marken mit redaktionellen Inhalten gearbeitet. Allerdings kommt hier die hohe Dialogbereitschaft der User hinzu und die Besonderheiten des Web 2.0., die es in der Konzeption von Social Media-Maßnahmen zu beachten gilt.

Auch Krisen PR gehört zu den Aufgaben eines Fashion PRlers. Sind schädliche Substanzen in Stoffen einer Modemarke nachgewiesen worden, ist das ein großes Problem für das Image der Marke. Nun gilt es durch PR Maßnahmen den Schaden für die Marke so gering wie möglich zu halten.

PR – der lange Arm des Marketings?
Produkt PR ist meist im Marketing angesiedelt, da sich Marketing vor allem mit Gewinnsteigerung und Kundengewinnung befasst. Marketing wendet sich ausschließlich an eine Zielgruppe: den Käufer. Die Unternehmens PR  ist oft Aufgabe einer anderen Abteilung. Fashion PR vereint beide Felder innerhalb eines Modeunternehmens oder einer Agentur und spricht so, ähnlich dem Marketing, die Kunden an, aber auch Gruppen die nicht als Käufer in Frage kommen, aber trotzdem wichtig für das Unternehmen sind: beispielsweise Lieferanten, lokale Bezugsgruppen oder Non-Profit-Organisationen.

Marketing und PR sind Schwesterdisziplinen, die Grenzen sind häufig fließend. Beide wollen den Bekanntheitsgrad der Marke erhöhen und das Image verbessern, dabei ist der Vertriebsgedanke im Marketing höher. Manchmal bedingt das eine das andere. So erleichtern Anzeigenschaltungen in Modemagazinen, die häufig vom Marketing geschaltet werden der PR Agentur die Produktplatzierung in diesem Modemagazin. Marketing als auch PR benutzen oft die gleichen Instrumente, um die Marke entweder erfolgreicher zu Vermarkten oder generell das Image zu verbessern, hierzu werden nicht selten Guerilla-Aktionen durchgeführt.

Guerilla-Aktionen sind vor allem in der Mode sehr beliebt und werden genutzt, um spannende Storys für die Presse zu kreieren. So darf man sich nicht wundern, wenn ein halbes Dutzend Männer nur in Unterhosen bekleidet  und mit blonder Langhaarperücke und Tennisschlägern über die Kö wandern: Vielleicht handelt es sich um die Eröffnung eines Björn Borg Stores, der es in die Bild-Zeitung schaffen soll.