Pressewebsites im Usability-Test

Der „Press“-Button: Eine Verlinkung zur Pressewebsite. Fast jedes Unternehmen besitzt ihn, doch nicht jeder Klick darauf bewirkt das Selbe. Dennoch soll dieser Bereich des Online-Auftritts bei jedem Unternehmen den gleichen Zweck erfüllen: Positive Neuigkeiten über das Unternehmen kommunizieren und somit Journalisten informieren sowie das Verfassen von Meldungen, Artikeln etc vereinfachen. Können alle Pressewebsites diesem Anspruch gerecht werden? Wir haben 10 Pressewebsites von führenden Modeunternehmen untersucht und kritisch beurteilt.

Wie gut erfüllen die fünf Modelabels Samsoe Samsoe, Tiger of Sweden, Cheap Monday, Desigual und  Pepe Jeans Kriterien wie z.B. Aktualität, Übersichtlichkeit und viele inhaltliche Aspekte? Das für unsere Analyse elementarste Kriterium war der Zugang: Ist er frei für alle Besucher der Website gestattet oder dient dieser Bereich ausschließlich dem Informieren von Journalisten?

Das schwedische Unternehmen Tiger of Sweden und das dänische Label Samsoe Samsoe bieten freien Zugang zur Pressewebsite. Bei beiden Marken erwartete uns eine äußerst übersichtliche und gut strukturierte Seite. Während die Presseseite von Samsoe Samsoe viele Bilder zeigt und die Texte meist nur zum Download zur Verfügung stehen, findet man bei Tiger of Sweden eine Variation aus kurzen und langen Texten. Außerdem bieten beide Labels die Möglichkeit das aktuelle Lookbook und weitere Bilder der aktuellen Kollektion herunterzuladen.  Die Pressewebseiten überzeugten außerdem noch mit Ihrer angewandten Sprachlichkeit. Beide waren dem Unternehmen und somit der Zielgruppe angepasst. Da es sich um „junge Mode“ handelt, war auch die Sprache jung, lebendig, harmonisch und bei Samsoe Samsoe harmonierte die Wörterwahl oft sogar mit den Bildern. Für weitere Fragen im Bereich PR weisen beide Unternehmen spezifisch Kontaktpersonen mit Anschrift, E-Mail und Telefonnummer und weiteren Kontaktmöglichkeiten auf.

Desigual: News nur für Journalisten

Die Presseseite des Modelabels Desigual ist normalerweise geschützt, uns wurde aber für die Analyse der Zugang netterweise gestattet. Für alle anderen Fälle werden den Besuchern Kontaktpersonen des PR-Bereiches aufgezeigt, die bei Interesse kontaktiert werden können. Verwirrend war die Sprachauswahl des Unternehmens für ihre Presseseite. Es werden unterschiedliche Sprachen benutzt und eine Sprachauswahl, die das Verstehen der Texte vereinfachen würde gibt es nicht. Auch negativ aufgefallen ist, dass es keine richtigen Texte gibt sondern eher Stickpunktartig die News aufgelistet werden. Auch die Gestaltung ist wenig einladend. Journalisten erwarten eine strukturierte und übersichtliche Seite. In diesem Fall ist die Navigation erst ganz weit unten auf der Seite zu finden und die Anordnung von Bild und Text wirkt willkürlich.

Pressebereich? Fehlanzeige.
Das Label Pepe Jeans überrascht, in dem es gar keinen Pressebereich auf ihrer offiziellen Website hat. Unser Versuch über das Kontaktformular ist – wie nicht anders erwartet – gescheitert.

Cheap Monday – nur für Journalisten

Ebenfalls erfolglos blieb der Versuch einen Blick auf die Presseseite des schwedischen Labels Cheap Monday zu werfen. Zwar punkten sie in dem sie viele Kontaktpersonen wie z.B. Sales Agent, Office Headquarters etc. direkt auf der Startseite der Homepage mit Email auflisten, jedoch wird der Zugang nur Journalisten gewährt, die eine Position bei einem Medium nachweisen können.

Allgemein: CSR-Inhalte, Newsletter und Verweise zu Social Media wie Facebook, Twitter und Youtube  sind bei allen Labels auf der Homepage aufgeführt und somit für jeden verfügbar. Aufgefallen: Pressebereiche der Bekleidungsmarken werden regelmäßig, meist monatlich, aktualisiert. Es werden besondere Daten, wie Shoperöffnungen oder neue Erfolge der Marke, für jeden Monat angegeben. Fotos und Videos beziehen sich immer auf die jeweilige Saison, bzw. aktuelle Kollektion. Dennoch sind auch Lookbooks älterer Kollektionen präsent. Das Produkt- zu Corporate PR -Verhältnis ist insgesamt bei diesen Labels sehr ausgeglichen. Die Qualität des Pressebereiches, sprich die Aufmachung, Übersichtlichkeit und Auflösung der Fotos, ist unabhängig vom Erfolg des Unternehmens. „Kleinere“ und noch nicht so lange bestehende Marken wie Samsoe Samsoe verfügen über einen ebenso professionellen Pressebereich wie sehr bekannte Marken, beispielsweise Desigual.

Floris van Bommel, Kangaroos, Cocorose London, Tanya Heath und Zign Shoes – fünf Schuhhersteller im Check

Cocorose Londonübersichtlich aber nicht exklusiv
Das junge Label Cocorose London aus Großbritanien gestaltet ihre Pessewebsite in einigen Aspekten sehr vorbildlich. Zum Beispiel ist der Bereich sehr übersichtlich und hat ein ausgewogenes Text-Bild Verhältnis. Auch was die Aktualität und Kontaktmöglichkeiten mit expliziten PR Personen angeht, schneidet das Label durchaus zufriedenstellend ab. Jedoch gibt es einen Kritikpunkt: der Zugang auf die Presseseite ist zunächst frei. Man kann auch die vier bis fünf neusten Meldungen sehen bzw. nur die Überschriften. Um weiterlesen zu können, ist ein Benutzername sowie Passwort nötig. Etwas seltsam ist, dass dennoch alle Texte im Bereich „News“ in voller Länge online und für jeden lesbar sind. Außerdem nicht vorteilhaft ist, dass die in den Texten genutzte Sprache aufgesetzt wirkt. Gerade auch weil es mit den gesicherten Inhalten im Pressebereich nicht konsequent durchgeführt wird, erhalten Journalisten nicht das Gefühl, dass der Pressebereich speziell für sie gestaltet wurde.

Tanya Heath – rundum gelungen

Das Label bietet einen freien Zugang zur Pressewebsite. Diese ist sehr strukturiert und übersichtlich. Außerdem war es die Seite mit den aktuellsten Inhalten. Jedoch als am positivsten haben wir die gewählte Sprache in den meist sehr langen und informativen Texten empfunden. Die News sind meist französisch oder englisch. Das Label bedient sich einer höchst niveauvollen und vor allem fachgerechten Sprache. Kommt man nicht aus dieser Branche ist es quasi nicht möglich diese mit der Fachsprache geschriebenen Texte zu verstehen. Wir finden das ziemlich gut, da die Presseseite ja in erster Linie an Journalisten gerichtet ist und es wichtig ist eine zielgruppengerechte Sprache zu wählen.

Überzeugt durch Angemessenheit

Floris van Bommel überzeugt in vielen Punkten. Es gibt einen freien Zugang, die Seite weist eine sinnvolle Strukturierung vor und ist daher übersichtlich, das Verhältnis von Corporate-PR und Produkt-PR ist ausgeglichen und aktuell sind die Inhalte auch noch. Die Texte lassen sich aufgrund einer leicht humorvollen Sprache leicht lesen und erfüllen ihren Zweck der Informationsvergabe. Allgemein wirkt auf dieser Seite alles durchdacht und nichts dem Zufall überlassen. Somit ist die Seite zielgruppengerecht und wird ihrem Anspruch gerecht.

Die Suche nach dem „Press“ Button
Den Pressebereich auf der Webseite von Kangaroos zu finden ist gar nicht mal so einfach. Versteckt in der untersten Navigation muss zunächst ein anderer Bereich angeklickt werden in dem man dann in der Navigation auf die Presseseite verwiesen wird. Man landet auf einer ziemlich unübersichtlichen Seite. Sie besteht quasi nur aus Überschriften und Anreißern, die dann zum weiterlesen angeklickt werden können Jedoch ist die Farbe der Schrift grau und die Schriftgröße nicht optimal und kursiv. Klickt man die Texte an sind meist kaum Bilder zu den Texten abgebildet.

Ein Internet Auftritt mit Potenzial

Das Schuhlabel Zign aus Berlin verfügt über eine Zielgruppen angemessene Website. Auch der Pressebereich überzeugt in Aktualität und Übersichtlichkeit. Die gewählte Sprache ist sehr konsumentennah und leicht verspielt. Leider gab es ein Programmierfehler auf dieser Seite, wodurch es manchmal nicht möglich ist zu scrollen. Manchmal überlappen sich auch Texte was etwas schade ist, denn der gesamte Internetauftritt ist an sich ansprechend gestaltet.

Allgemein: Negativ aufgefallen ist, dass  vier von fünf Unternehmen neben Kontaktformularen keine andere Kontaktaufnahme und vor allem mit keiner bestimmten, vorgestellten Person ermöglichen. Auch negativ: keines der untersuchten Unternehmen hatte CSR Inhalte auf ihrer Website. Abwechslungsreich war das Produkt PR/Corporate PR-Verhältnis in den Pressebereichen. Während Kangaroos den Fokus auf Corporate PR Meldungen setzt, sind es bei Zign Shoes eher die Produkte die im Vordergrund des Pressebereichs stehen.

Eine Tabelle ermöglicht den direkten Vergleich der unterschiedlichen Pressebereiche.

 

PR-Kampagnen: 6 Klassiker der Fashion PR

Klassische Produkt PR ist die Pflicht, PR Kampagnen sind die Kür gezielt News zu initiieren. Immer wieder gelingt es Unternehmen oder Fashion PR Agenturen neue, spannende Ideen zu entwickeln. Aber es gibt Klassiker, die immer wieder zum Einsatz kommen:

CHARITY-PROJEKTE
Charity Projekte dienen einem guten Zweck, es werden Spenden gesammelt, um diese dann einer Organisation zukommen zu lassen. Oft stehen Labels direkt in Verbindung mit einer Spendenaktion, wie z.B. Gucci in Verbindung mit UNICEF. Kaufen Kunden die limitierte oder ausgeschriebene Tasche, geht ein Anteil vom Kaufpreis an die Organisation. Beispiel Gucci: Das Unternehmen stellt eine neue Version der beliebten `Sukey Bag` vor, zum Anlass der siebenjährigen Partnerschaft mit UNICEF (Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen). 25% des Verkaufserlöses kommen dem UNICEF Projekt ‚Schulen für Afrika‘ zugute, dessen Ziel es ist, Kindern Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Diese Projekte rücken die Labels in ein gutes Licht und bedeuten so auch, in den  Fällen eine gute PR. Was man stark bei diesen Charity Projekten beachten sollte, ist, dass man für Glaubwürdigkeit und Transparenz (anerkannte Zertifikate, Projekt-Blog etc.) sorgt, WAS wird kommuniziert und WIE wird es kommuniziert. Vorteile dieser Projekte sind nicht nur wie oben genannt, dass sie das Label in ein gutes Licht rücken, sondern auch, dass Verbraucher verstärkt darauf achten, dass Unternehmen Verantwortung übernehmen. Desweiteren kann ein langfristiges Projekt Positiv-Botschaften für eine mögliche Krisenkommunikation bieten – langfristig denken und handeln. Da ein Charity-Projekt immer ein sensibles Thema ist, sollte man genau prüfen ob das Geld auch ankommt, die Organisation seriös ist und man damit auch das richtige erzielen möchte, da dieses Vorhaben nur bedingt geeignet ist für pro-aktive Mediensprache. Besser wohl dosiert kommunizieren, besser einen eigenen Blog auf der Website einrichten, als eine große Presseaktion zu starten.

KOOPERATION MIT ANDEREN MARKEN
Adidas stattet Porsche Motorsport mit einer eigens gestalteten Teamuniform aus. Von der Winterjacke über Shirts bis hin zu den Sportschuhen – Porsche Motorsport Mitarbeiter stecken von Kopf bis Fuß in Adidas Kleidung. Diese muss den hohen Anforderungen an den Rennstrecken genügen und somit gleichzeitig funktional, bequem, wetterbeständig, Hitze abweisend und natürlich gut aussehend sein. Bei diesem Beispiel haben zwei große Marken (Adidas & Porsche) miteinander kooperiert. So eine Kooperation dient dazu um die Marke/en zu festigen und die Zielgruppe zu erweitern. Der Vorteil wäre hier, dass ein doppelter Newswert für die Medien vorliegt, die Kompetenzen addieren sich und die Marke wird emotional geladen. Das Hauptproblem einer solchen Kooperation liegt vor allem darin, wer profitiert mehr, es wird schwierig einen tatsächlichen Mehrwert zu kreieren. Zudem muss man auch beachten, wie die eigene Zielgruppe die Marke sieht und ob die die Zusammenarbeit für beide Seiten glaubwürdig ist, dazu gehören auch Kommunikationsinhalte und –Timing mit dem Partner abstimmen.

ENGAGEMENT EINES NAMENHAFTEN DESIGNERS
Im November 2004 wurde eine exklusive Kollektion von Karl Lagerfeld angeboten. Im November 2005 folgte eine Zusammenarbeit mit Stardesignerin Stella McCartney. Nach einer Werbekampagne mit der Pop-Sängerin Madonna, die für den schwedischen Textilkonzern nebenbei auch noch eine Kollektion von Trainingsanzügen entwarf, standen 2006 die niederländischen Design-Avantgardisten Viktor & Rolf für eine fünfzigteilige Kollektion Pate. Das Engagement eines namenhaften Designers wertet die Marke auf und wir in dem Beispiel von H&M auch ein hoher Nachrichtenwert. Wie in dem Beispiel von H&M, die schon Wochen vorher über die Printmedien oder die digitalen Medien eine solche Zusammenarbeit publizieren. Ein Nachteil könnten die hohen Kosten sein, die durch eine riesige Werbekampagne entstehen aber auch, wenn eine Zusammenarbeit wenig glaubwürdig ist. Und die Frage: „Was passiert danach?“, würde auch noch im Raum stehen. Um dieses Risiko einer Fehlinvestition zu vermeiden und Kunden zu verlieren, muss man vorher prüfen wie bekannt der Designer bei meiner Zielgruppe hat und was er für ein Image besitzt. Auch überprüfen sollte man ob der Designer noch für andere Marken tätig ist oder was er in der Vergangenheit mit wem schon gemacht  hat, Achtung beim Vertrag: Allgemeine „PR“-Zusage genügt nicht!

EINSATZ VON CELEBRITIES
Diese Form von PR-Kampagnen kann zwei verschiedene Richtungen einschlagen. Die eine wäre die Einbindung als Designer, wie aktuell Kate Moss für das Modelabel „Mango“. Dies wird bis jetzt als eine langfristige Strategie geführt (Scarlett Johansson, Cruz Schwestern). Als zweite Möglichkeit gäbe es noch die werbliche Zusammenarbeit, hierfür steht eine bekannte Person als Testimonial vor der Kamera (Heike Makatsch/Schauspielerin-Mexx). Oftmals stehen aber die Celebrities als Designer und Model vor der Kamera (Halle Berry für Deichmann oder David Beckham für H&M). Dies kann mehrere Vorteile haben, zum einen ein hoher Newswert, dadurch resultiert ein hohes Interesse im Handel und bei Verbrauchern. Ein bekanntes Gesicht zu engagieren ist immer mit hohen Kosten verbunden und ist zudem auch stark nach der Wahl des richtigen Promis abhängig. Wichtig hier vorher abzuklären, ist die Frage, wie die Imagewerte des Promis und seine Fashion-Kompetenz bei meiner Zielgruppe sind.

MODELL-WETTBEWERBE
Ein Modell-Wettbewerb ist auch mit geringen Kosten möglich. Dieses wird oft veranstaltet um Nähe zum Kunden aufzubauen. Und ist zudem immer noch interessant für die jüngere Zielgruppe. Neckermann, HUGO BOSS, Otto oder S.Oliver suchen oft über das Internet (Facebook, Twitter, Newsletter), nach Models. Meist ohne Erfahrung und jeder kann mitmachen. Es werden Covershoots gemacht oder wie im Fall von HUGO BOSS werden Runway-Models gesucht. Der Gewinn ist oft dotiert mit Bargeld oder einem Warengutschein der entsprechenden Marke. Leider ist eine solche PR-Kampagne nur noch im großen Rahmen für die Presse relevant. Eine seriöse und professionelle Jury Besetzung sowie große Partner, sorgen für die entsprechende Aufmerksamkeit. Von Vorteil wäre auch so viel Socialmedia wie möglich einzubauen und Transparenz herzustellen. Baut man nun eine Facebook Seite und launcht dort seinen Wettbewerb sollte man auch auf mögliche Diskussionen im Social Web vorbereitet sein.

FÖRDERPREISE
Der „Mango Fashion Award“ zeichnet junge Designer aus, ebenso der „Design for Tomorrow Award“, von Peek&Cloppenburg, dessen Schirmherr Designer Marc Jacobs ist. „Prix Emile Hermes“, zeichnet innovative Designs aus, der „Humanity Fashion Award“, bezieht sich auch auf die Mode, besonders auf Nachhaltigkeit in der Mode. Der „HDS Junior Award“, wird auch an junge Designer der Schuhbranche vergeben. All dies sind Förderpreise, die eine gute Profilierung der Marke fördern und beim richtigen Thema auch eine hohe Authentizität. Zudem schafft eine Förderung junger Designer eine hohe Kundenbindung. Leider je nach Thema ggf. nur für Fachtitel und Special Interest relevant. Zudem bräuchte man auch Starke Partner oder Schirmherrn. Man sollte vorher auch die relevant prüfen, ob die Idee überhaupt passt zur Marke/Unternehmen. Ein gutes Awardkonzept bindet Social Media maximal ein: Online first!

Modedesignern bringen Marken PR-Erfolg

Marken kooperieren mit bekannten Modedesignern. Ein Phänomen, welches spätestens nach den unzähligen H&M Designerkooperationen auch der breiten Masse bekannt ist. Und es zeigt sich: Mit Erfolg! Immerhin feierte H&M mit Versace schon die 13. Designerkooperation.  Mehr und mehr Marken beauftragen mittlerweile einen bekannten Modedesigner für ihr Haus. Designerkooperationen versprechen Erfolg. Hier können sich zwei individuelle Brands zusammenfinden und mit ihrem neuen „Produkt“ eine neue, breiter gefächerte Zielgruppe ansprechen. Immer mehr Designer geben ihren Namen für diverse Markenkooperationen her. Folglich ein paar Beispiele mit sehr gelungenen Designerkooperationen der letzten Zeit aus den Bereichen Mode, Sport und Schuhe.

Um dem Ganzen gerecht zu werden, starten wir mit einer der erfolgreichsten Designerkooperationen der letzten Jahre. Der „H&M Guest-Designer-Collaboration“. Hierfür entwerfen bekannte Designer eine Kollektion, enthalten mit Outfits, Schmuck und Schuhe für Damen und Herren. Gestartet hatte die H&M Guest-Designer-Collaboration im November 2004 mit einer exklusiven Kollektion von Karl Lagerfeld. Neben bekannten Designernamen wie Stella McCartney, Viktor&Rolf,  Roberto Cavalli, Rei Kawakubo, Matthew Williamson, Jimmy Choo, Sonia Rykiel, Lanvin oder Donatella Versace entwarfen auch bekannte Sänger wie Madonna oder Kylie Minogue eine Gast-Kollektion für H&M. Mittlerweile feiert H&M die 13. Guest-Collaboration mit dem Label Marni, welches 1994 von  Consuelo Castiglioni gegründet wurde.

Seit 2004 entwirft Stella McCartney regelmäßig eine Sport-Kollektion für Adidas „adidas by Stella McCartney“. Das Prinzip der Kollektion: „Stilvoll und funktional – Frischer Wind in der Sportmode“.  Die erste Kollektion konzentrierte sich auf die Bereiche Running, Fitness und Schwimmen. Später erweiterte sich das Angebot um die Bereiche Tennis und Golf. 2008 feierte die erfolgreiche Designerkooperation „adidas by Stella McCartney“ sogar den Einzug auf der London Fashion Week. Kennzeichen der Mode von Stella McCartney findet man natürlich auch in der Sportkollektion wieder. Organische Stoffe treffen auf funktionale Schnitte und Pastellfarben. Das anschließende Video zeigt die neue Frühjahr/Sommer-Kollektion 2012.

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Im Frühjahr 2012 startet bereits die zweite Taschenkollektion von Jeremy Scott in Zusammenarbeit mit Longchamp. „Greetings from Paradise“ wird der Longchamp Shopper heißen und etwa 200€ kosten. Jeremy Scott ist bekannt für seine auffälligen Designs. Seine Mode spricht definitiv eine schrille Sprache. Für die neue Taschenkollektion hat der amerikanische Modedesigner den kultigen Longchamp-Shopper „Le Pliage“ mit Postkarten versehen. Die Designs sind lustig, präzise und eigenartig zur gleichen Zeit. Sie bringen ein Zusammenspiel aus Farben, exotischen Landschaften, Sonne und einem feinen Sand. Genau das Richtige für den kommenden Sommer.

Auch national feiern Designer Kollaborationen großen Erfolg. So ist die 2011 in Deutschland entstandene Kooperation zwischen dem Schuhlabel Sioux und dem aufstrebenden deutschen Jungdesigner Kilian Kerner ein gelungenes Beispiel hierfür. „Sioux designed by Kilian Kerner“ heißt diese Kollaboration, in der Kilian Kerner insgesamt sieben Herren-Mokassins, das Markenzeichen der Marke Sioux, passend zu seiner Frühjahr/Sommer-Kollektion 2012 entworfen hat. Die Schuhe überzeugen durch ihr cleanes Understatement aus klaren Linien und puristischen Formen in pastelligen Farben. Ganz Kilian Kerner eben.

Jeans-Liebhaber aufgepasst: Diesen Frühjahr startete die Kooperation zwischen der Modedesignerin Diane von Fürstenberg und dem Denim-Hersteller Current/Elliot. Dies dürfte vor allem die Printliebhaber freuen. Diane von Fürstenberg bleibt sich treu und entwirft insgesamt sechs äußert auffällige gesprintete Stücke für das Label Current/Elliot. Auf den Jeans lassen sich wilde Blumenzauber in senfgelb, grün, braun oder blau wiederfinden. Die limitierten Stücke gibt es online auf dem Diane von Fürstenberg Online Store zu kaufen. Preislich liegen sie zwischen 230 bis 290 Euro.

Nachgefragt bei Miriam Müller, JOY.DE

Was ist der konkrete Unterschied zwischen einer Produktveröffentlichung in der Printausgabe der Joy und auf Joy.de?
Der gravierendste Unterschied ist, dass wir im Onlinebereich oft Produkte in Serien veröffentlichen, während in der Printausgabe auch gerne mal Einzelprodukte abgebildet werden. Bei uns ist es natürlich themenabhängig, wenn es zum Beispiel um das Thema Sonnenschutz geht, haben wir eine ganze Reihe an Produkten die wir publizieren.

 

Wie entscheiden Sie, welche Produkte Sie auf joy.de veröffentlichen?
Wie schon erwähnt haben wir einen Themenplan an dem wir uns orientieren und an den wir uns halten. Man erhält natürlich sehr viele Produktvorschläge von Agenturen, die wir sammeln und wenn sich ein Thema ergibt, veröffentlicht werden.

Und woher wissen Sie, was zu Ihren Userinnnen passt?
Die Joy-userin ist eher verspielt. Sie liebt süßes und mädchenhaftes. Das merkt man vor allem wenn wir etwas glitzerndes von Hello Kitty auf unserer Facebook Seite posten- da bekommen wir die stärkste Resonanz.

Orientieren Sie sich an Veröffentlichungen in anderen Internetportalen?
Natürlich schaut man sich bei der Themenfindung oder zur Trendrecherche die Seiten der Konkurrenz an und lässt sich inspirieren.

Lesen Sie die Fachpresse (Textilwirtschaft & co.) um sich zu informieren?
Wenig! Die Inhalte sind sehr Branchen spezifisch. Anders als in der Printausgabe sind wir bei joy.de nur zu zweit und sind nicht spezialisiert auf einen bestimmten Bereich. Wir machen von Mode über Beauty und Stars alles und haben leider zu wenig Zeit um tief gehend eine einzelne Disziplin zu recherchieren.

Was sollte ein PR-Verantwortlicher besser nicht tun, weil es Sie stört?
Ich persönlich finde es immer sehr störend, wenn man riesige Emails von Agenturen mit allen möglichen Produkten erhält, die man gar nicht angefragt hat.

Und was hingegen ist ein guter Service, der die Wahrscheinlichkeit eines Abdrucks erhöht?
Ich bevorzuge ein kurzes Telefonat, in dem gefragt wird, was wir bei unseren einzelnen Themen gebrauchen könnten. Es gibt natürlich Dinge wie Bademode oder Dessous, die immer gehen.

Was nutzen Sie für Ihre Arbeit am intensivsten: a)Gedruckte Lookbooks und Pressemappen b)Emails mit Anhang c)Den Pressebereich auf Websites der Unternehmen?
Also wir nutzen hauptsächlich zwei Dinge. Die Lookbooks die wir zugesendet bekommen, werden natürlich gesammelt, damit sie griffbereit sind. Bildmaterial und Freisteller werden von den CDs auf unseren Server geladen und geordnet Die Pressebereiche auf Websites nutzen wir eigentlich nur wenn wir etwas ganz bestimmtes suchen und genau wissen, dass wir es bei einer bestimmten Agentur gesehen haben.

Nutzen Sie auch Social Media-Tools für Ihre Arbeit?
Wir nutzen Facebook sehr stark für unsere Fans und sind dort sehr aktiv. Außerdem haben wir eigene Videos auf joy.de. Mit Twitter haben wir mal angefangen aber es war leider zu marginal.

Ist Ihnen in Bezug auf das Verhältnis von Medien zu Pressestellen, im Laufe Ihrer Karriere eine Veränderung der Branche aufgefallen?
Es fällt besonders auf das der Onlinebereich immer wichtiger wird. Auch Apps und Tablet PCs bieten heute ganz neue Möglichkeiten. Im Bezug auf die Arbeit mit PR Agenturen hat sich die Arbeit in den letzten Jahren durch das Internet sehr vereinfacht. Jeder kann Dropbox verwenden- das ist eine wahnsinnige Erleichterung.

Wie wichtig schätzen Sie das Medium Joy, für die Beziehung zu Fashion PR Agenturen ein?
Die Joy ist natürlich in Deutschland sehr bekannt und etabliert. Bisher gab es keine Probleme Produkte zu erhalten.

Nachgefragt bei Oliver Rauh, HYPE MAGAZINE

Fashion Director, Stylist, Modeberater- Oliver Rauh (46) war bereits während seines 
BWL Studiums Pressechef der Bendel Gruppe; übernahm mit 23 die Marketing- 
Leitung und produzierte die ersten Kampagnen die in Titeln wie Vogue und Elle zu sehen waren. Nach 
seinem Ausstieg als Advertising Director bei Hugo Boss war er auf Agenturseite als Creative Director tätig, bevor er im Zeitschriftenbusiness erfolgreich als erster Modechef der QVEST startete….heute ist er neben HYPE als freier 
Redakteur bei diversen internationalen Magazinen und Unternehmen der Mann für Stil und macht sich zwischen Paris und München einen 
Namen als Fotograf.

Wie entscheiden Sie, welche Produkte im Heft veröffentlicht werden?
In den Modestrecken geht es natürlich erst einmal um den optimalen Look für die Story die man erzählen möchte. Dennoch versuchen wir Anzeigenkunden beziehungsweise potentielle Neukunden zu integrieren.

 Woher wissen Sie, was zu den HYPE-Lesern passt?
Die HYPE-Leser oder Leserin suchen und finden uns und wir haben den HYPE Look festgelegt.

Orientieren Sie sich an Veröffentlichungen in anderen Medien?
Eher nicht. Man nutzt natürlich Ausrisse als Moods und Inspiration für Haare und Make-up oder Posing.

Lesen Sie die Fachpresse (Textilwirtschaft & co.) um sich zu informieren?
Nein. Dafür gibt es den online Kressreport und nicht zu vergessen, Lookbooks und Pressetage. Die Textilwirtschaft hat eine ganz andere Herangehensweise.

Was sollte ein PR-Verantwortlicher besser nicht tun, weil es Sie stört?
Besonders störend ist es wenn man eine bestimmte Kollektion für ein Fotoshooting anfragt und trotzdem einfach viel mehr zugeschickt bekommt als für uns relevant ist. Das ist für keine Seite hilfreich.

Und was hingegen ist ein guter Service, der die Wahrscheinlichkeit eines Abdrucks erhöht?
Ein sehr guter Service von PR- Agenturen ist zum Bespiel, dass sofern ein Wunschlook nicht vorhanden ist eine gezielt ausgesuchte Alternative bereitgestellt wird. 
Außerdem ist es sehr angenehm wenn Frachtbriefnummern weitergegeben werden und man bei laufenden Anfragen zu gewissen Stücken ein täglicher Status Quo durchgegeben wird.

Was nutzen Sie für Ihre Arbeit am Intensivsten: a)Gedruckte Lookbooks und Pressemappen b)Emails mit Anhang c)Den Pressebereich auf Websites der Unternehmen?
Das kommt ganz darauf an: Für Modestrecken nutze ich die gedruckten Lookbooks, für Berichte etc. eher die Pressemappen und Infomails der PR-Abteilungen.

Nutzen Sie Social Media-Tools fr Ihre Arbeit und falls ja, wie und welche?
Social Networks wie Facebook helfen heute sich zu präsentieren dennoch tendiere ich persönlich wieder zur Homepage.

Ist Ihnen im Laufe Ihrer Karriere eine Veränderung der Branche aufgefallen – in Bezug auf das Verhältnis von Medien zu Pressestellen?
Ja. Noch vor 15 Jahren war der Druck seitens der Anzeigenkunden eher gering. Anzeigen wurden gebucht, weil das Medium zum Image der Marke und zur Zielgruppe passte. Heutzutage wird bei Schaltung einer Anzeige meist auch ein gewisser Grad an redaktioneller Erwähnungen erwartet. Die journalistische Freiheit wird ein wenig eingeschränkt.

Wie wichtig schätzen Sie das Medium HYPE für die Beziehung zu Fashion PR Agenturen ein?
Das HYPE Magazine ist ja noch relativ jung und das Vertrauen in das Heft musste erst aufgebaut werden. Das Vertrauen der Agenturen zu mir war wichtig um manch große Marken schon vor einem offiziellen Listing zu bekommen

Presse-Events in der Fashion PR

Ein wichtiges Aufgabenfeld in der PR ist die Kontaktpflege mit Redakteuren und Journalisten. Der beste Anlass: ein Presse-Event. Eine Übersicht über die wichtigsten Veranstaltungen in der Fashion PR

Redaktionsbesuche
Sie sind keine klassischen Events, aber Redaktionsbesuche bieten nicht nur den PR-lern, sondern auch den Journalisten viele Vorteile und sind deshalb auf beiden Seiten sehr beliebt. Sie dauern im Schnitt nicht länger als 15-30 Minuten und sind individuell planbar. Sie stellen einen persönlichen Kontakt zwischen Agenturen und Redakteuren her. So entsteht auch eine persönlichere Atmosphäre, in der offen Informationen über Kunden und Zeitschrift ausgetauscht werden können. Mittels Redaktionsbesuchen schaffen es PR Mitarbeiter in ein bis zwei Tagen alle wichtigen Redaktionen einer Region zu besuchen. Selbst wenn sie dabei gemeinsam mit Modells reisen, Geschenke und Essen als Präsente mitbringen, bleiben die Kosten weit unter denen einer groß aufgezogenen Pressekonferenz.

Die Journalisten sind diesen Besuchen nicht abgeneigt, denn sie können diese Besuche individuell planen und müssen nicht zusätzlich irgendwohin reisen. Dem PR-ler bleibt zwar weniger Zeit für die Präsentation, aber in diesem Fall steht die Kontaktpflege im Vordergrund, und noch persönlicher geht es kaum. Der Nachteil: die Gespräche finden meist im Verlag statt. Wer also das Produkt mit Emotionen und Branding in den Mittelpunkt stellen will, sollte ein echtes PR-Event wählen.

Roundtable
Ein Roundtable wird nicht zwangsläufig veranstaltet um Veröffentlichungen zu generieren. Hierbei trifft sich ein kleiner Kreis an zwei Journalisten mit einem Vertreter eines Unternehmens und einem Experten aus dem Fach, um beispielsweise über neue Produkte und Sachverhalte zu diskutieren. Die Vorteile dabei sind, dass hierfür nur ein geringes Budget nötig ist und viel Zeit bleibt, um Hintergründe genau zu erläutern und darzustellen. Daneben sind allerdings auch nur wenige Journalisten anwesend, was bedeutet, dass möglicherweise nicht sehr viele Medien angesprochen werden.

Pressereise
Eine Pressereise erfordert eine aufwendige Organisation für die PRler und auch für die Journalisten ist sie mit einem hohen Aufwand verbunden. Einen hohen Aufwand an Zeit. Und wer so viel Zeit für ein Event aufbringt und dem dabei beispielsweise noch spektakuläre Shows und Präsentationen geboten werden, ist am Ende gegebenenfalls eher geneigt, darüber zu berichten. als das er oder sie es vielleicht nach einem Redaktionsbesuch getan hätten. Für die Veranstalter bedeutet ein solches Event zwar je nach Aufwand und Teilnehmer hohe Kosten, verschafft ihr aber auch eine lange Kontaktzeit zu den Journalisten in einem relativ persönlichen Rahmen. Zudem bleibt ausreichend Zeit für spektakuläre und exklusive Shows und Präsentationen. Aber trotz toller Show und bester Unterhaltung gilt: Der Newswert muss entsprechend hoch sein, damit nachher auch eine entsprechende Berichterstattung erfolgen kann.

Pressekonferenz
Der Vorteil einer Pressekonferenz ist, dass viele Journalisten gleichzeitig informiert werden. Allerdings muss der Newswert für den Anlass so hoch sein, dass auch wirklich viele Redakteure kommen und anschließend darüber berichten. Um möglichst viele Besucher zu erreichen, bedarf es bei der Pressekonferenz einer Organisation vieler verschiedener Faktoren. So muss beispielsweise der richtige Ort festgelegt werden. Mit vielen Parkmöglichkeiten und einem guten Zugang mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Gäste müssen frühzeitig informiert werden. Getränke, Snacks und Utensilien für Journalisten müssen bereit gestellt werden.

Die Pressekonferenz ermöglicht es den Veranstaltern eine Dramaturgie in ihre Präsentation zu bringen, um somit die gewünschte Aufmerksamkeit zu erhalten. Unternehmen können so Produktneuheiten oder Umstrukturierungen publik machen, oder sich zu Vorfällen und Sachverhalten äußern.

Press Day / Showroom einer PR-Agentur
Der Klassiker der Fashion PR-Agenturen. Ein solches Event ermöglicht es PR Mitarbeiter an einem Tag verschiedene Marken und Kollektionen an die Presse zu bringen. Dies klappt jedoch nur, wenn die Kollektionen für die Öffentlichkeit relevant genug sind. Kann man solch eine Auswahl präsentieren, ist es möglich gegebenenfalls auch kleinere unbekanntere Marken mit einzubringen. Die Darstellung der Produkte ist hierbei aber wenig emotional.

Vorteil bei dieser Veranstaltung ist, dass Redakteure und Journalisten direkt Musterteile ordern können und somit gleichzeitig Feedback zu den Kollektionen geben. Das Budget für ein solches Event ist im Vergleich zu einem Brand Event ebenfalls niedrig.

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Modenschau
Die emotional beste Art Mode in der Fashion PR darzustellen ist sicherlich die Modenschau. Hierbei könne die Kollektionen individuell, mit höchster Dramaturgie und emotionaler Bindung an den Käufer präsentiert werden. Je nach Aufwand erfordert das allerdings ein hohes Budget und lohnt sich nur, wenn auch genügend Journalisten anwesend sind und darüber berichten.

Shop Openings
Ein erfolgreiches Shop Opening färbt sofort auf die Marke und den Point of sale ab. Wichtig dabei ist vor allem die Zielgruppe. Es gibt Marken, die beispielsweise bewusst auf Blogger setzten. So sollten diese wissentlich eingeladen werden. Andere Marken, die sich davon bewusst distanzieren, setzten eher auf seriöse Journalisten.

Wie alle Events, ist die größe und Umsetzung eines Shop Openings auch eine Frage des Budgets. Regionale Veranstaltung lassen sich im fünfstelligen Bereich realisieren. Events mit prominenten Gästen und bundesweitem Medienecho liegen meist deutlich darüber.

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Messe-PK
Eine Pressekonferenz inmitten einer Messe bietet einen entscheidenden Vorteil: Journalisten sind bereits vor Ort und müssen nicht extra geladen werden. Sie müssen keinen weiteren Termin einplanen und sparen somit wertvolle Zeit. Der Nachteil: die Konkurrenz auf einer Messe wie beispielsweise der Bread & Butter ist sehr groß und meist können die Redakteure gar nicht alle Einladungen annehmen. Es sind einfach zu viele.

Hier gilt wie bei allen PR-Events: Der Rahmen muss passend sein. Aber noch wichtiger ist der Inhalt.

Celebrity Seeding mit Kaiorize

Team Kaiorize mit Henner Ceynowa, Dana Schweiger, Dr. Shamsey Oloko und Philippe Bahlburg

Kaiorize heißt die Internet- Plattform für Celebrity Product Placement, die es schafft, Unternehmen und Prominente direkt miteinander zu vernetzen. Dr. Shamsey Oloko, Mitgründer von Kaiorize erklärt im folgenden Interview  das Geschäftsmodell der Plattform und welche Idee dahinter steckt.

Wann wurde Kaiorize gegründet und was steckt dahinter?
Gegründet wurde Kaiorize im September 2010 und ist eine Plattform für Celebrity Product Placement. Prinzipiell kann man sagen, dass Kaiorize so etwas wie ein virtueller Marktplatz ist, an dem wir Prominente und Unternehmen zusammenbringen.

Wer hat die Internet- Plattform gegründet und welche Idee steckt dahinter?
Gegründet wurde die Plattform von Dana Schweiger, Noch – Ehefrau von Til Schweiger, Henner Ceynowa, Philippe Bahlburg und mir. Die Idee ist, Unternehmen mit Prominente über das Internet miteinander zu verbinden, da  Marken großes Interesse daran haben  Celebrities mit ihren Produkten auszustatten. Oftmals wissen diese Marken jedoch nicht, wie sie ihr Produkt an den Promi platzieren können. Unser Ansatz von Kaiorize ist, dass sich Unternehmen aussuchen können, welchem  Celebrity sie ihre Produkte anbieten möchten. Die Celebrities loggen sich dann irgendwann auf unserer Plattform ein, –  je nachdem wo sie gerade sind -, sehen die verschiedenen Produkte, die sie kostenlos bestellen dürfen und bekommen diese dann zugeschickt. Dann kommt Kaiorize ins Spiel. Wir erkundigen uns, ob die Sachen angekommen sind und ob uns die Celebrities ein Foto mit dem Produkt schicken möchten. Das Unternehmen wird im Erfolgsfall informiert, dass die Marke getragen wurde, und kann das Bild als Nachweis einsetzen.  An dieser Stelle werden Charity und Product Placement miteinander verknüpft. Je nach Größe des Unternehmens und Bekanntheit des Promis werden die Kosten für das Foto festgemacht. 100 Dollar gehen dann an eine von dem Prominenten ausgewählte Charity- Organisation.

Wie kamen Sie auf den Namen „Kaiorize“?
Es gibt einen bestimmten Gott  in der griechischen Philosophie, der uns auf den Namen gebracht hat. Kairos, der Gott  für den günstigen Augenblick. Unser Logo verbildlicht Kairos, der eine Glatze und eine Haarlocke hat, die ihm in die Stirn fällt. Man muss ihn sprichwörtlich „beim Schopfe packen“, um den günstigen Augenblick wahrnehmen zu können. Da wir etwas Aktives entwickeln wollen, wie bspw. googlen und twittern, damit man das in zwei, drei Jahren auch noch sagen kann, haben wir aus dem Gott Kairos unseren Markennamen Kaiorize abgeleitet. Den Namen haben wir anschließend international auf Aussprache und Bedeutung prüfen lassen. Da er zudem als Marke frei war, haben wir aus unserer Sicht einen Volltreffer gelandet.

Was für Prominente können sich auf Ihrer Plattform anmelden?
Es sind sowohl nationale als auch internationale Prominente, aus den verschiedensten Bereichen:  Schauspieler, Musiker, Models, Sportler aber auch Moderatoren. Natürlich müssen wir darauf achten, die richtigen Prominenten einzuladen, die bei unseren Marken auf das größte Interesse stoßen. In erster Linie muss die Prominenz nämlich zum Markenimage der verschiedenen Unternehmen passen.

Kennen Sie die Prominenten persönlich und laden Sie ein oder melden diese sich selber auf Ihrer Plattform an?
Es ist recht schwierig,  persönlichen und vertrauensvollen Kontakt einfach über E-Mail und Internet herzustellen. Mein Kollege Henner Ceynowa  ist für die Kontaktpflege der Celebrities verantwortlich. Er trifft sie auf verschiedenen  Events und spricht sie persönlich an, denn nur auf persönlicher Ebene kann auch ein vertrauensvolles Verhältnis entstehen.

Wie kann man sich Product Placement mit Kaiorize vorstellen? Wie findet das statt?
Im Prinzip kann man es sich wie normales Online Shopping vorstellen. Vergleichbar mit Amazone oder Ähnlichem. Der Prominente schaut sich ein Produkt an, wählt dieses aus und lässt es sich zuschicken. Das Besondere von Kaiorize ist, dass der „Käufer“ bzw. der Prominente kein Geld für das Produkt zahlen muss. Um den Produkten trotz allem eine Wertschätzung entgegenzubringen, kann jeder Celebrity maximal achtmal pro bestellen.

„Kaiorize“ bietet einen Weg für Unternehmen Prominente mit Produkten auszustatten. Welche Branchen machen davon am meisten gebrauch?
Im Prinzip alle Produkte mit Lifestyle- Charakter. Der Fashion Bereich ist dabei am häufigsten vertreten,  denn gerade die Modefirmen sind es, die am besten wissen, wie wichtig die Verbindung zu Celebrities ist. Das beste Beispiel dafür : Madonna mit Ed Hardy. Es hat nicht lange gedauert, bis Ed Hardy zu einem Verkaufsschlager wurde.

Wie viele Prominente und Unternehmen benutzen bisher Ihr Angebot?
Bis jetzt sind es ca. 190 Prominente und 180 Marken.

In welchen Ländern gibt es „Kaiorize“ bisher und was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Bisher gibt es Niederlassungen in Deutschland und in den USA. In Deutschland mit dem Hauptsitz in Berlin und in der USA mit Standort in Los Angeles und New York. Da wir ja eine Internet- Plattform sind, sind wir aber selbstverständlich weltweit erreichbar und haben bereits viele internationale Partner.

Nachgefragt bei Nadine de Jong, TV-Stylistin von ProSiebenSat.1

Nadine de Jong, TV Stylistin

Technische Zeichnungen und Schnittmuster haben sie nie wirklich begeistert. Die aktive Zusammenarbeit mit Menschen ist genau ihr Ding. Nadine de Jong ist Mode-Stylistin bei der ProSiebenSat.1 Produktion. Nach ihrem Modedesign-Studium entschied sie sich für ein Praktikum bei dem Münchner Privatfernsehunternehmen. Nun stylt Nadine schon seit acht Jahren die Moderatoren und Gäste von ProSieben, SAT.1, kabel eins und sixx. Nadine de Jong ist mittlerweile die Abteilungsleiterin im Bereich Styling und hauptsächlich für das Lifestyle Magazin taff zuständig. Ein interessantes Gespräch mit einer Frau, die genau weiß, worauf es bei dem perfekten Styling ankommt.

Nadine de Jong, was sind ihre Aufgaben als Stylistin?
Wir sind ein kleines Team von Stylisten und werden nach Formaten bzw. Moderatoren aufgeteilt. Ich selbst arbeite besonders viel bei taff mit und bin für das Styling der Moderatoren zuständig. Mittlerweile habe ich die Leitung der Styling-Abteilung übernommen und widme mich daher hauptsächlich administrativen Aufgaben, wie terminieren – disponieren – planen – aquirieren von neuen Modesponsoren und und und.

Was macht ihnen besonders viel Spaß?
Auf jeden Fall aktiv mit Menschen zusammen zu arbeiten. In meinem Studium hat mir oft die Interaktion mit Menschen gefehlt. Schnittmuster erstellen, technische Zeichnungen anfertigen und sehr oft für sich selbst zu sein – all das hat mich nicht zufrieden gestellt. Nach mittlerweile acht Jahren habe ich die Vorteile aber auch Nachteile dieses Berufes kennen gelernt. Ich hab die Möglichkeit, die neusten Kollektionen sehen zu dürfen noch bevor sie in den Läden hängen und vor allem dann auch schon mit ihnen arbeiten zu dürfen. Die Modenschauen, Presseevents, Messen und Fashion Weeks sind auf jeden Fall die Highlights meines Berufes. Mein Job ist sehr facettenreich und bietet ein großes Spektrum an Aufgaben, wie Fotoshootings, Eventausstattungen, Drehs und Studioproduktionen. Wir befinden uns sowohl im In- als auch im Ausland. Dürfen reisen, Trends scouten und interessante Menschen und Celebrities treffen. Im Vordergrund stehen bei uns die Kunden, bei mir die Moderatoren, die Vertrauen zu uns entwickeln. Wir versuchen dann ein Gleichgewicht zwischen Styling und Menschen herzustellen.

Ihr Job klingt perfekt. Sie haben von Nachteilen gesprochen. Die da wären?
Der Job ist körperlich oft sehr anstrengend. Wir bezeichnen uns selbst auch gerne als Packesel. Wir tragen alles quer durch die Weltgeschichte – Tüten – Kleiderstangen und Kleidersäcke. Ich will dabei nicht zu sehr ins Detail gehen, aber selbstverständlich rette ich kein Leben in meinem Beruf. Die Modewelt ist ein Karussell der Eitelkeit, welches jeden Tag aufs Neue bedient werden muss.

Das sind leider die immer wiederkehrenden Vorurteile, mit denen die Modebranche leben muss. Doch zurück zum Beruf des Stylisten. Kleiden Sie die Moderatoren ein? Oder wer entscheidet?
Natürlich haben die Moderatoren das letzte Wort. Alle Moderatoren haben eine tolle Figur, aber wie wir alle gibt es Tage, an denen sie sich nicht wohl fühlen. Da ist es unsere Aufgabe als Stylistin dieses durch vorteilhafte oder schicke Kleidung auszugleichen – vielleicht nochmal schnell einen Knopf anzunähen, Rocksäume umzukleben oder mit Hilfe einer Stecknadel einen Blazer zu taillieren. Das passiert selbstverständlich entsprechend der Vorgaben des Redaktionsleiters. taff hat da auch eine bestimmte Zielgruppe. Es ist also erforderlich, nicht in Extreme zu gehen.  Es darf nicht zu jung, zu sexy aber auch nicht nur ansatzweise altbacken aussehen. Wir spielen mit den Moderatoren und Redaktionsleitern Ping Pong und geben uns gegenseitiges Feedback zur Mode.

Inwieweit spielen PR-Verantwortliche mit rein? Worauf müssen diese achten?
Sie müssen darauf achten, dass die Kommunikation zwischen uns immer aktiv ist. Es geht darum, von PRlern auf dem Laufenden gehalten zu werden und immer up to date zu sein. Wir müssen von ihnen erfahren, wie der Markt bestückt ist und das jede Saison. Zuletzt ist es wichtig, dass uns keiner in die Quere kommt, da immer ein reger Kontakt bezüglich einzelner Musterteile oder Kleidungsgrößen herrscht.

Was ist an der Interaktion besonders nervig?
Es ist absolut nervig, 10 Mal am Tag Infoletter oder News von der gleichen Agentur zu bekommen. Die Informationen über neue Kunden und deren Kollektionen ist wichtig, aber manchmal ist weniger oft mehr. Eine zielgerichtete Information ist wesentlich brauchbarer, als das Postfach mit Bildern vollgespamt zu bekommen.

Wie frei ist man als Stylist wirklich?
Im TV ist man nicht völlig frei. Selbstverständlich gibt es auch bei den Zeitschriften Vorgaben. Schaltet zum Beispiel eine Modefirma eine Anzeige, müssen auch Musterteile der neuen Kollektion in der Fotostrecke verwendet werden. Bei uns gibt es hauptsächlich technische Einschränkungen. Wir müssen darauf achten, dass die Moderatoren nichts Gestreiftes tragen, nichts Kleinkariertes anziehen oder ganz in Weiß oder Schwarz auftreten. Durch zu feine Streifen oder starke Musterungen entsteht der Moiré-Effekt – da fängt der Fernseher bei den Zuschauern zuhause an zu flimmern. Oder bei einem ganz schwarzen Outfit schluckt die Kleidung das Studiolicht. Genau andersherum bei einem weißen Look. Das Weiß zieht das Licht stark auf sich und überstrahlt den Moderator, d.h. der Zuschauer daheim wird geblendet. Komplett Schwarz tragen Moderatoren ausschließlich bei traurigen Themen oder tragischen Ereignissen in der Welt.

Das ist besonders interessant. Was muss man generell noch beachten? Was würden sie als Profi empfehlen vor der Kamera zu tragen?
Es ist auffällig, dass wir leider nicht jeden Trend mitmachen können. Die Ära der Babydolls zum Beispiel hielt lange an und sah wirklich sehr süß aus. Leider hat dieser Trend selbst eine schlanke Moderatorin vor der Kamera schwanger aussehen lassen. Ich würde deshalb immer zu einem körperbetonten Outfit raten, welches durch bunte Farben, Pastell- oder Nudetönen zur Ausstattung und Farbigkeit des Fernsehstudios passen.

Lookbooks, Press-Kits & das richtige Timing


Das Ziel der Produkt-PR ist es, Mode einer bestimmten Marke redaktionell in den Medien zu platzieren und so das Image der Marke sowie den Absatz des Produkts zu verbessern.

Die wichtigsten Materialen in der Fashion PR sind hierbei:

Lookbooks:
Saisonale Hefte, in denen die jeweilige neue Kollektion eines Labels oder Designers abgebildet ist. Die Modeunternehmen schicken sie den Journalisten entweder als Print-Medium oder digital als CD / per Email. Layout und Fotografie des Lookbooks sind dabei von Firma zu Firma sehr unterschiedlich: entweder In-, oder Out-Door-Shootings, sowie Freisteller oder Laufstegbilder. Oft wird die Thematik der Kollektion redaktionell begleitet, um der Bildsprache auch durch Text eine noch stärkere Aussage zu verleihen und so den Mood der Kollektion so gut wie möglich zu vermitteln. Mit dem Lookbook können Redakteure Kollektionsmuster bestellen, um diese in ihren Modeshootings zu verwenden.

Press-Kits (Mappen):
Pressemappen, die Pressemitteilungen und Bilder enthalten. Auch hier unterscheiden sich die Fotografien – oft sind es aber Freisteller. Im Gegensatz zum Lookbook geht es hier weniger um die Musterbestellung sondern das Pressematerial selbst soll verwendet werden. Besonders Freisteller werden von Redaktionen gerne eingesetzt. Außerdem wird das Press-Kit wie in der klassischen PR genutzt um spezielle Meldungen über das Unternehmen oder die Marke zu kommunizieren. Mittlerweile werden viele Press-Kits rein digital übermittelt.

Pressebereich auf der Marken-Website:
Ein Online-Pressebereich wo Unternehmen Pressematerial herunterladen können. Das können sowohl Lookbooks, Pressemitteilungen oder auch PR-Bilder sein. Es ist von Vorteil, wenn der Bereich für die Presse auch eindeutig als dieser zu erkennen ist. Manche Labels sortieren ihre Presse-Materialien in eine Online-Kategorie mit Publikationen. Diese sollten aber in einem eigenen Bereich für Clippings aufgelistet sein, um Irritationen bei den Journalisten zu vermeiden. Umfragen haben ergeben, dass Modejournalisten Pressebereiche bevorzugen, die nicht passwortgeschützt sind.

Das passende Bild für jedes Medium
Genauso wichtig, wie die Wahl des PR-Materials ist auch das richtige Timing der Aktion. Dieses hängt von der Vorlaufzeit der Medien ab, weshalb es sinnvoll ist, die Zielmedien in Kategorien einzuordnen:

B2B-Medien – Die Branchenblätter:
zB. Textilwirtschaft, X-Ray, J’N’C
Medien, die von Fachleuten für Fachleute gemacht werden – in der Modebranche zum Beispiel für Einkäufer, Stylisten, etc.

Abgebildete Presse-Materialien: Laufstegbilder, Freisteller, Portrait-Fotografien, Kampagnenbilder, Store- und Werbe-Images, Grafiken.

B2C-Medien – Die Mode-Experten:
zB. Vogue, Sleek, Qvest
Medien, die sich auf einem hohen modischen Niveau befinden und für den Endverbraucher gedacht sind.

Abgebildete Presse-Materialien: Laufstegbilder, Freisteller, ab und zu Promibilder. Benutzen teilweise auch Produktmuster für eigene Modestrecken.

Business-To-Consumer-Medien – Frauen- & Lifestyle-Magazine:
zB. Instyle, Jolie, Freundin
Medien, bei denen Mode nur einen Teil der Berichterstattung ausmacht. Andere Inhalte sind zB. People-Storys und weitere Service-Themen.

Abgebildete Presse-Materialien: Promibilder, Freisteller, ab und zu Laufstegbilder

Business-To-Consumer-Medien – Reichweitenstarke Weeklies:
Bild der Frau, Laura, Frau im Spiegel
Medien, die alle möglichen Themengebiete für Frauen behandeln, wöchentlich erscheinen und eine sehr hohe Reichweite haben. Oft mit Kochrezepten.

Abgebildete Presse-Materialien: Freisteller, Prospektbilder, Promibilder

Business-To-Consumer-Medien – Die Männer-Fraktion:
zB. Men’s Health, GQ, FHM
Medien, die für Männer gedacht sind und alle möglichen Themengebiete behandeln. Darunter zum Beispiel Lifestyle, Mode, Sport, Erotik.

Abgebildete Presse-Materialien: Laufstegbilder, Freisteller, ab und zu Promibilder.

Das Timing entscheidet
Je nach Zielgruppe und Erscheinungsweise unterscheiden sich die Vorlaufzeiten der Medien erheblich voneinander.

Fachmedien berichten als erste über neue Kollektionen  – und das schon ein Jahr vor der Erscheinung. Passend zu den saisonalen Modenschauen wolle sie ihre Leser über die neuen Trends informieren. Hier ist zu beachten, dass manche Fachmagazine nur vier Mal jährlich erscheinen und man dementsprechend einen großen Vorlauf der Medien einkalkulieren sollte.

Bei den B2C-Medien folgt der Vorlauf der üblichen Logik: Monatlich erscheinende Magazine vor 14-tägigen. Dann folgen Weeklies, Tagesmedien und Online.

Ein wichtiger Faktor in der Fashion PR ist allerdings die Vorlaufzeit für Modeproduktionen der Frauenzeitschriften. Selbst bei einer wöchentlichen Erscheinungsweise kann die Vorlaufzeit zwei Monate betragen. Das liegt daran, dass Redakteure Fotoproduktionen oft bündeln und auf einer Reise für verschiedene Hefte vorproduzieren. Verpasst man den erste Termin, verpasst man automatisch die Chance in einer der folgenden Modestrecken ein Produkt zu platzieren.

Service überzeugt
Wer weiß, was Moderedakteure benötigen, hat mehr Erfolg in der Produkt-PR. Deshalb ist es wichtig, dass PR-Verantwortliche die Medien, die sie ansprechen wollen, vorher genau analysieren und wissen, was zum Magazin und zur Zielgruppe passt. Nichts ist für einen Journalisten nerviger als ein überquillendes Email-Postfach in dem sich Meldungen über Meldungen befinden, mit denen er nichts anfangen kann. Die Alternative: Nettes Nachfragen ob das Presse-Material über die Produkte überhaupt vom Journalisten erwünscht ist.

Ebenfalls wichtig: Wünscht ein Journalist Informationen über ein Produkt, müssen die Materialien auch wirklich informativ sein. Nachfragen kostet wertvolle Arbeitszeit. Deshalb ist es wichtig dass Lookbooks, Pressemitteilungen usw. immer alle wichtigen Infos sowie hochauflösendes Bildmaterial enthalten – und dass die Kontaktdaten aktuell sind. So muss der Journalist nicht immer wieder nachfragen und hat direkt alles war er für eine Veröffentlichung braucht auf einen Blick. Falls aber doch noch mal wegen etwas kommuniziert werden muss – egal von welcher Seite ausgehend – ist es das A und O immer Höflichkeit und Kooperationsbereitschaft zu wahren.

Nachgefragt bei Manuela Schedel, BRAVO GiRL!

Moderedakteurin, Stylistin, Produzentin – mit 37 Jahren kann die Münchenerin auf fast 15 Jahre Berufserfahrung zurückgreifen. Nach dem Abitur arbeitete sie im Produktionsmanagement bei Rena Lange, war Modeassistent bei Attic Futura/Sugar und dem Bauer Verlag.

Frau Schedel, wie entscheiden Sie, welche Produkte im Heft veröffentlich werden?
Das ist natürlich themenabhängig. Aber grundsätzlich müssen die Produkte neu, cool und zielgruppenaffin sein. Wir haben eine sehr junge Leserin also ist der Preis wichtig. Je günstiger desto besser. Außerdem müssen sie einen Starbezug haben und wir versuchen so viele unterschiedliche Labels wie möglich mit einzubringen.

Was genau passt zu dieser Leserin?
Unsere Leserin heißt Anna und ist 14 Jahre alt. Sie ist keine Trendsetterin aber natürlich an Mode interessiert. Sie will nicht wissen was im Moment in Paris auf den Laufstegen gezeigt wird. Damit hat sie nichts zu tun. Wichtig ist für sie was Selena Gomez und Taylor Swift oder andere Stars tragen.

Haben Sie eine besondere Verantwortung, für die Produkte in Ihrem Magazin, gegenüber Anna?
Auf jeden Fall. Aber wir wollen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger auf unsere Leserin zugehen. Wir sind eher eine etwas ältere. coole Freundin, die mit Erfahrung und Kompetenz glänzt. Es geht nicht um. „Lass das lieber sein“. Wir geben Tipps und den Ansporn etwas auszuprobieren.

Orientieren Sie sich an Veröffentlichungen in anderen Medien?
Klar beobachtet man was die Konkurrenz macht. Nicht nur in Deutschland, sondern auch was im Ausland aktuell im kommen und gehen ist. Allerdings versuchen wir in der BRAVO GiRL! unserer Leserin einen gewissen Mehrwert zu bieten, den sie vielleicht anderswo nicht findet. Es geht bei uns nicht um einen simplen Trend wie „Weiß“. Es hat immer einen Servicecharakter.

Lesen Sie die Fachpresse (Textilwirtschaft & co.) um sich zu informieren?
Wenig. Natürlich weiß ich was in der TW steht und es fließt auch indirekt mit ein. Aber für unsere Leserinnen ist es nicht interessant. Wenn ein Trend nicht an einem Star zu sehen ist, findet er für sie nicht statt.

Was sollte ein PR-Verantwortlicher besser nicht tun, weil es Sie stört?
Diese Frage habe ich bereits erwartet (lacht). Ich habe mir schon Gedanken gemacht. Besonders störend finde ich wenn eine Agentur ihre Kontakte nicht aktualisiert. Es gehört einfach dazu, gerade in einer Branche mit einer so hohen Fluktuation, das ein neuer Ansprechpartner sich kurz vorstellt. Bei uns ganz speziell stört es sehr wenn zwar Bildmaterial von den Agenturen kommt aber keine Preisliste. Das kostet sehr viel Zeit und Nerven.

Und was hingegen ist ein guter Service, der die Wahrscheinlichkeit eines Abdrucks erhöht?
Das Produkt muss passen. Das ist das wichtigste. Es schadet allerdings auch nicht wenn die Aufbereitung, also Bildmaterial und ähnliches einfach gut ist. Besonders interessant sind die Produkte die uns exklusiv angeboten werden.

Was nutzen Sie für Ihre Arbeit am Intensivsten: a)Gedruckte Lookbooks und Pressemappen b)Emails mit Anhang c)Den Pressebereich auf Websites der Unternehmen?
Ich persönlich bevorzuge es zu Beginn der Saison das komplette Bildmaterial sprich Freisteller oder Stils auf CD zu erhalten. Ich verwalte die Daten dann am liebsten selbst auf meinem Computer und meinem eigenen System. Bei den Pressebereichen ist es leider so, dass man viel zu viele Zugänge und Passwörter hat. Oft fehlt mir die Zeit mich jedes Mal einzuloggen und auf die Suche zu begeben.

Nutzen Sie Social Media-Tools für Ihre Arbeit und falls ja, wie und welche?
Also die Bravo Girl hat natürlich eine eigene Facebookseite und einen Twitter-Account. Allerdings wird diese von unserer Textchefin betreut. Wir arbeiten hauptsächlich mit Laienmodels. Ich nutze Facebook um mich mit ihnen zu vernetzen.

Ist Ihnen im Laufe Ihrer Karriere eine Veränderung der Branche aufgefallen – in Bezug auf das Verhältnis von Medien zu Pressestellen?
Da hat sich so einiges verändert. Früher hat man von den Agenturen noch Dias bekommen. Aber meistens hat man ein Muster bestellt und es dann selbst fotografiert. Heute schreibt man eine Mail oder ruft an und man bekommt alles was man braucht. Das ist sehr positiv.

Wie wichtig schätzen Sie das Medium, für welches Sie arbeiten, für die Beziehung zu PR Agenturen ein?
Das kommt ganz darauf an. Wenn es um Produkte geht, die sowohl für uns als auch für klassische Frauenmagazin interessant sind, werden diese leider oft bevorzugt. Da stehen wir auf dem Abstellgleis. Ganz neue Labels hingegen kommen immer wieder zu uns und freuen sich über eine Veröffentlichung.

Wie wichtig ist eine persönliche Beziehung zu den PR-Verantwortlichen für Ihre Arbeit?
Bei manchen Agenturen kennt man sich natürlich mit den Jahren. Man ist nicht unbedingt direkt befreundet aber es ist ein sehr angenehmes Arbeiten. Viele Abläufe gehen schneller als bei neuen Agenturen.