Pleiten, Pech und Pannen

Es hätte der perfekte Medienauftritt werden können. Was dann allerdings passierte, war so nicht geplant:  Wutausbrüche, unvorhersehbare Situationen und besonders pfiffige Moderatoren. Wir haben das Archiv durchforstet und fünf Negativ-Beispiele für missratene Interviews und TV-Statements herausgesucht.

„Top, das „Wort“ gilt – und zwar das, des Karl Lagerfelds. Denn im Dezember vergangenen Jahres machte er seinem Ruf als „verwirrter Modezar“ mal wieder alle Ehre. Des Öfteren fiel er bereits durch seine verwirrten Überheblichkeiten auf. Einen seiner wohl größten Fauxpas leistete er sich jedoch auf Thomas Gottschalks Couch. Modeschöpfer Karl scheint den Überblick über seine unzähligen Kollektionen verloren zu haben. Und während Gottschalk ihn auf seine neueste Kollektionen im Hause Breuninger anspricht, weiß Lagerfeld wohl nicht so recht wovon dieser spricht:  „Was? Breuninger? Kenn ich nicht, ich kenne nur Karl, also meinen Namen. Breuninger? Ich starte bald drei Modelinien (…) Kann sein, dass eins Breuninger ist.“ Nicht nur das Publikum brachte er mit dieser Spitze zum Lachen, auch seinem Sitznachbarn Günther Jauch trieb es für einen kurzen Moment das Schmunzeln ins Gesicht. „Wetten Dass…?“-Profi  „Thommy“ ließ diesen Kommentar schnell fallen und Breuninger selbst begegnete dem Vorfall recht gelassen: „Wir haben auch geschmunzelt, aber wer den Meister kennt, weiß, dass er zu später Stunde zu Scherzen aufgelegt ist.“

Sie ist für ihr Temperament bekannt – für ihre Wutausbrüche und ihre Zickereien. Und jetzt hat sie wieder zugeschlagen. Im April 2010 rastete Naomi Campbell vor laufenden Kameras aus. Eine ungewollte Frage und schon sieht das Supermodel rot. 1997 soll Campbell einen Diamanten geschenkt bekommen haben, an dem Blut von afrikanischen Bürgerkriegsopfern klebt – ein illegales Schmuckstück. Als sie schließlich in der „ABC News“ Show darauf angesprochen wird, verlässt Naomi  rasch den Raum und schlägt wütend auf eine Kamera ein. Bereits zuvor attackierte die „Superzicke“ ein Dienstmädchen mit ihrem Handy und griff an Bord eines Flugzeuges einen Polizisten an. Und auch dieser Ausraster ist mal wieder ein Gewaltausbrauch par excellence.

Auf der Flucht scheint auch dieser Herr zu sein. Eigentlich für seine ruhige und sachliche Art bekannt, suchte auch Finanzvermittler Mario Ohoven in einer Pressekonferenz das Weite. Eigentlich sollte er lediglich einen Forderungskatalog seines Verbandes vorstellen. Mangelnder Vorbereitung zufolge, blickte er bereits während des gesamten Interviews auf seine Uhr. Letztlich brach er das Interview auf der Stelle ab und verließ mit den Worten „Ich muss weg!“ den Raum. Von Stefan Raab parodiert, ist dieser Satz auch noch heute ein gelungener Comedy-Einspieler.

http://www.youtube.com/watch?v=9NtAL2fQzcI

Mit dem Alter reift man an Erfahrungen. Vor allem auf Chiara Ohoven trifft dieser Satz zu. Denn noch  vor zehn Jahren riskierte sie im wahrsten Sinne des Wortes eine extrem dicke Lippe. Und heute zeigt sie zumindest ein wenig Reue. Schon immer träumte das Society-Girl von größeren Lippen. Zunächst ließ sie sich diese von einem Schönheitschirurgen aufspritzen, was ihr letztlich aber nicht genügte. So kaufte sie sich schließlich eine Spritze mit Hyaluronsäure und half selbst ein wenig nach. Verraten hat sie dies bis dato Niemandem. Brauchte sie auch nicht, denn ihre neuen „Schlauchbootlippen“ waren für Jedermann unübersehbar. Doch Chiara wehrte sich vehement gegen den Vorwurf einer Schönheitsoperation. Heute, einige Jahre später, gibt sie zumindest zu, nachgeholfen zu haben.

Jede Frau liebt sie: Blumen. Nur eine nicht, nämlich Madonna. Zumindest Hortensien kann sie auf den Tod nicht ausstehen. Und das, obwohl ihr vor knapp einem Jahr ein Fan genau mit dieser Blume eine Freude bereiten wollte. Bei einer Pressekonferenz bei den Filmfestspielen in Venedig schenkte ihr der junge Mann eine große, lila Hortensie. Wie sich das gehört, bedankte sich die Pop-Queen, verdrehte aber noch im selben Moment die Augen, um schließlich ihr Geschenk zu verschmähen: „Ich hasse Hortensien. Offensichtlich weiß er das nicht.“ Was Madonna wohl nicht wusste, dass das Mikrofon die ganze Zeit angeschaltet und ihr Kommentar so für jeden hörbar war. Die Diva reagierte auf ihren Fauxpas und drehte ein eigenes Hortensienvideo in Stummfilmformat. Wer allerdings eine Entschuldigung erwartet, der irrt. Drückt sie im ersten Teil des Filmes die verhassten Blumen noch an ihre Brust, schleudert sie diese nach 30 Sekunden auf den Boden und tritt auf ihnen herum. Dabei macht sie deutlich, dass sie „Hortensien immer hassen wird“. Eine Gegenreaktion, die nur wenig Anhänger, aber viele kritische Stimmen mit sich brachte.

3 Gedanken zu „Pleiten, Pech und Pannen

  1. Ich habe den Fernsehbeitrag mit und über Karl Lagerfeld ebenfalls gesehen und muss ehrlich sagen, dass ich bei Karl nichts anderes erwartet hätte. Sein wirres Reden ist ja schon seit Jahren sein Markenzeichen und das nicht nur in der deutschen Sprache. Das Unwissen über seine Kollektion bei Breuninger war von ihm mit Sicherheit nicht fossiert, sondern sollte meiner Meinung nach eher eine abgeklärte Gleichgültigkeit darstellen, sodass der Modedesigner dem „unwichtigen“ Moderator überlegen ist.
    Trotzdem war der Auftritt ein Fehler der einem so bedeutendem Designer nicht passieren sollte. Da der Designer nicht nur für sein eigenes Label steht, sondern auch für das Traditionshaus Chanel ist es noch wichtiger auf seinen Auftritt und Präsentation zu achten.

  2. Danke für diesen Beitrag Sina. Sehr unterhaltsam. Es ist schon immer wieder lustig zu sehen, wie Stars und Prominente die Kontrolle verlieren oder ins Fettnäpfchen treten. Das macht diese so hochgelobten Halbgötter dann doch irgendwie menschlich. Auch ein Karl Lagerfeld oder eine Madonna ist nicht perfekt. Das macht es für die Fans wiederum leichter sich mit so jemandem identifizieren zu können. Dennoch muss man überlegen, wie es sein muss so von Kameras etc. verfolgt und beäugt zu werden. Passiert uns „Normalos“ etwas Peinliches, so lacht vielleicht der Freundeskreis darüber. Reiche und Berühmte Menschen haben immer gleich die internationale Medien- und Presseaufmerksamkeit auf sich gerichtet und die ganze Welt lacht darüber.

  3. Ich finde den Text „Pleiten, Pech und Pannen“ sehr gelungen. Es macht Spaß die Interviewpannen anzuschauen und danach den Kommentar der Autorin zu lesen. Der Text ist amüsant und nett geschrieben. Es ist erstaunlich, in welche Fettnäpfchen Ikonen wie Karl Lagerfeld und Naomi Cambpell treten. Wobei es bei Naomi Cambpell nicht selten passiert, dass sie vor laufenden Kameras den Anstand verliert.
    Mario Ohoven hingegen scheint sich nicht richtig auf das Interview vorbereitet zu haben. Ohne wirklich auf die Fragen antworten zu können hofft er die Antworten in seinen Aufzeichnungen zu finden. Sehr amüsant.
    Selbst Weltstars wie Madonna passieren kleine Ungeschicklichkeiten. Anstatt dass sie sich über eine geschenkte Blume – Hortensie – freut, schimpft sie auf die Blumen – bei einem angeschalteten Mikrofon.
    Wirklich ein abwechslungsreicher und lustiger Text, der mal wieder zeigt, dass auch die Stars nur Menschen sind.

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