Nachgefragt bei Lauren De Young, Freundin

Hallo Lauren, wie entscheiden Sie, was in der Freundin veröffentlicht wird?
Das ist abhängig von den verschiedenen Themenstrecken. Wir achten natürlich auch immer sehr darauf, dass wir die aktuellen Trends verfolgen. Diese wollen wir dann an die Leserin bringen, indem wir Beratungstipps geben. Auch der subjektive Geschmack fließt mit ein. Was ist schön, passt und entspricht unseren Vorstellungen?

Welche Styles passen zu ihren Lesern und woher wissen Sie das?
Die Freundin steht dafür, die aktuellen Trends so zu interpretieren, dass sie die Leserin nicht einschüchtern. Wir wollen viele verschiedene Frauen ansprechen. Durch nette Kombinationen versuchen wir die Leser an die Outfits heranzuführen.

Blättern Sie durch anderen Medien und orientieren sich an deren Veröffentlichungen?
Selbstverständlich. Nicht nur anderen Magazine, auch anderen Länder und anderen Zielgruppen. Wir wollen die Ideen nicht kopieren, sondern für uns neu entwickeln. Das machen wir auch, indem wir uns international umgucken.

Lesen Sie die Fachpresse, wie zum Beispiel die Textilwirtschaft?
Nicht mehr so wirklich. Früher hab ich das häufiger gemacht. Aktuell gucke ich online nach um mich auf dem Laufenden zu halten.

Was empfinden sie an PR-Verantwortlichen als störend?
PRler können manchmal nervig sein. Besonders wenn es um Social Media geht und mir nicht bekannte Leute Freundschaftsanfragen schicken. Oft ist es dann auch so, dass PR-Verantwortliche Produkte oder Marken vorstellen und unseren Mail-Account mit Spams füllen, die absolut nicht zu uns passen. Die Problematik liegt nicht daran, dass sie es versuchen, sondern dass sie es immer wieder machen, auch wenn wir ihnen bereits gesagt haben, dass es nicht zu unserem Magazin passt.

Was hingegen ist ein guter Service, der die Wahrscheinlichkeit eines Abdrucks erhöht?
Ein Kontakt zu den PR-Agenturen ist enorm wichtig. Selbstverständlich gehört es dann auch mal dazu, immer wieder auf dem Laufenden gehalten zu werden. Wir benötigen die Informationen über die neuesten Trends und Musterteile. Es gilt als notwendig, News über Store-Eröffnungen oder kleinere, avantgardistische Marken zu erhalten. Ein guter Service bedeutet für mich, die Möglichkeit zu haben, die Produkte eigenständig auszusuchen.

Lookbooks, Pressemappen, Mails mit Anhang oder der Pressebereich auf Websites? Was nutzen sie am intensivsten?
Also am intensivsten eindeutig die Lookbooks. Es macht Spaß, diese durchzublättern, zu markieren, um dann daraus Musterteile zu bestellen. Digital ist natürlich cool. Aber wie gesagt, ich suche lieber selber aus. So ist es für mich leichter.

Nutzen sie Social Media-Tools für ihre Arbeit?
Für die Arbeit benutze ich es persönlich gar nicht. Privat ist eine andere Sache. Natürlich pflege ich dort auch Kontakte, die dich aus der Arbeit ergeben – aber nur mit Leuten, denen ich freundschaftlich verbunden bin. Es ist für mich nervig übers Internet Kontakte zu knüpfen. Für Make Up Artist, sowie Fotografen ist es eine willkommene Gelegenheit Kontakt aufzunehmen, aber ich persönlich möchte das nicht. Es ist dann ja auch so furchtbar unangenehm eine Anfrage abzulehnen.

Ist Ihnen im Laufe Ihrer Karriere eine Veränderung – in Bezug auf das Verhältnis von Medien zu Pressestellen, aufgefallen?
Ja! Am Anfang habe ich das eindeutig gemerkt. Es wird mittlerweile wesentlich mehr online gearbeitet. Wir bekommen oft Lookbooks und Freisteller per Email, Lookbooks werden oft mit Ipad präsentiert und auf Facebook noch mal….

Wie wichtig schätzen Sie die Freundin für die Beziehung zu PR Agenturen ein?
Sehr wichtig! Die Freundin steht für eine realistische und zugängliche Zeitschrift. In der Vogue zum Beispiel werden oft Showteile präsentiert, die es nicht zu kaufen gibt. Bei uns ist alles im Einzelhandel erhältlich. Die Freundin präsentiert die Kleidungsstücke im ganzen Outfit und berät die Kundin. Wir haben ein breites Spektrum an Leserinnen.

Ist eine persönliche Beziehung zu den PR-Verantwortlichen für ihre Arbeit wichtig?
Der persönliche Kontakt findet bei mir nur ausnahmsweise statt. Und dieser kann dann oft sehr hilfreich sein. Kleine Agenturen, die man bei Produktionen nicht auf dem Schirm hat, werden durch persönliche Kontakte ins Gedächtnis gerufen. So helfen diese Beziehungen bei der Arbeit. Außerdem ist ein gutes Verhältnis wichtig, damit einem die Zusammenarbeit leicht fällt und gelingt.

Herzlichen Dank für das Gespräch und noch einen kreativen Tag.

Ein Gedanke zu „Nachgefragt bei Lauren De Young, Freundin

  1. Ein sehr interessantes Interview. Lauren De Young erzählt, dass viele Lookbooks per Email oder CD in digitaler Form in der Redaktion erscheinen. Spannend finde ich, dass sie es bevorzugt, die Lookbooks selbst zu durchblättern, da sie lieber selbst aussuche und es leichter für sie sei. Ich stimme ihr da voll und ganz zu. Während meines Praktikums beim J’N’C Magazin habe ich die vielen Lookbooks ebenfalls als richtige Mappen per Post, aber auch als CD erhalten. Für den besten Überblick habe ich die digitalen Fotos ausgedruckt und sie zu den Mappen gelegt, um einen klaren Überblick zu erhalten. Es zeigt sich ganz deutlich: Digitale Bilder per Mail sind zwar unglaublich schnell, aber dennoch erleichtert diese Methode nicht die Arbeit des Journalisten. Dies ist ein Punkt, der meinen Grundgedanken bestätigt: Online-Generation und Aktualität hin oder her – das Print-Medium wird weiterhin benötigt und gefordert. Sowohl im End-Ergebnis mit dem Erscheinen der neuen Ausgabe eines Magazins, als auch in der eigentlichen Arbeit des Journalisten.

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